Karin Lesch
* 1935 in Zürich
* 12.03.2025 in Wernsdorf (Königs Wusterhausen)
Tochter der Schauspielerin Mathilde Danegger und des Autors Walter Lesch
um 1957 Studium an der Schauspielschule Berlin
ab 1958 Engagements an großen Theatern der DDR
verheiratet mit Hans-Dieter Mäde
Mutter von zwei Kindern
Als Tochter der Wiener Schauspielerin Mathilde Danegger, die als Halbjüdin 1932 in die Schweiz emigrierte, und des Schweizer Regisseurs und Autors Walter Lesch wird Karin Lesch 1935 in Zürich geboren. Die Ehe ihrer Eltern scheitert, als Karin noch klein ist. Sie hält aber noch lange Kontakt zu Ihrem Vater und dessen Familie.
Die Mutter, Mathilde Danegger, lernt im Oktober 1938 den Kommunisten Herbert Crüger kennen. In seinem Buch „Verschwiegene Zeiten“ beschreibt Herbert Crüger die damals vierjährige Karin als „ein fröhliches, liebes Kind“. Seit ihrem dritten Lebensjahr spielt sie schon intensiv Klavier. Als sie eingeschult wird, kommt sie auf eine Schule, in der ihr Talent gefördert wird.
Karins Mutter und Herbert Crüger verlieben sich. 1939 ziehen sie zusammen, und als Herbert nach Ende des zweiten Weltkriegs von der KPD nach Wiesbaden beordert wird, beschließt Mathilde, ihre künstlerische und politische Karriere aufzugeben und ihm mit Karin nachzufolgen. Zuerst aber sorgt sie dafür, dass ihre Mutter, Karins geliebte Großmutter, zu ihrem Bruder nach Wien zieht. Vor den Behörden geben Herbert und Mathilde an, heiraten zu wollen und so bekommt Mathilde im Herbst 1947 die Genehmigung, mit Karin nach Wiesbaden auszuwandern. Großmutter Bertha weigert sich, „zu den Nazis“ mitzukommen.
Für die zwölfjährige Karin ist damit die behütete Kindheit vorbei. Sie muss ihren Vater und ihre Großmutter zurücklassen und auch die verständnisvollen Lehrer an ihrer Zürcher Schule fehlen ihr. Sie fühlt sich überfordert, wird kränklich und flüchtet oft in die Musik. Schon ein Jahr später ein neuer Umbruch, als Herbert Crüger nach Schwenningen am Neckar versetzt wird, wo die kleine Familie auch nur drei Jahre lebt.

1951 stellt Herbert den Antrag, nach Berlin versetzt zu werden, denn Mathilde hat ein Angebot vom Berliner Ensemble bekommen. Im Spätsommer 1951 kommen Karin und Mathilde in Berlin an. Durch die Vermittlung der Intendantin des Berliner Ensembles, Helene Weigel, bekommen sie eine Wohnung in Eichwalde am Rand von Berlin und Mathilde kann endlich wieder als Schauspielerin arbeiten.
Hier bessert sich Karins Situation. An der Musikfachschule arbeitet sie fleißig, doch eine Entzündung des Daumengelenks, die zu einer Operation führt, zerstört ihren Traum von einer Karriere als Konzertpianistin.
Stattdessen schlägt Karin dieselbe Berufsrichtung ein, wie die Mutter. Ab 1955 studiert sie an der Schauspielschule Berlin. Zur gleichen Zeit arbeitet dort auch ihre Mutter Mathilde Danegger als externe Lehrkraft. 1957 lernt Karin den fünf Jahre ältere Hans-Dieter Mäde kennen und im Oktober desselben Jahres heiraten Karin und Hans-Dieter.

Nach dem Abschluss ihres Studiums 1958 spielt Karin Lesch an Berliner Bühnen und bei der DEFA. Nachdem sie schon am Potsdamer Theater die Müllerstochter in "Rumpelstilzchen" gespielt hatte, verkörperte sie die weibliche Hauptrolle auch in der 1959 entstandenen DDR-Verfilmung des Theaterstücks, die unter dem Titel "Das Zaubermännchen" heute noch erhältlich ist. Ihr Mann arbeitet bis 1961 als Regisseur am Berliner Maxim-Gorki-Theater.
1959 wird ihre Tochter Anja Mathilde geboren. 1961 zieht die Familie nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), wo Hans-Dieter Mäde eine Stelle als Generalintendant und Chefregisseur Schauspiel am Theater antritt und Karin an diesem Theater auftritt. 1962 bekommen sie einen Sohn – Michael. Aus ihm wird ein Schriftsteller und Dramaturg.
Karins Mann, Hans-Dieter Mäde, arbeitet von 1966 bis 1972 als Generalintendant und Chefdregisseur am Staatstheater Dresden. Dort ist auch Karin Lesch angestellt und lernt Rolf Hoppe kennen. Herr Hoppe berichtet später, er habe die Kollegin als seine Königin verlangt, während Vorlíček sich erinnert, sie anhand von Fotos ausgesucht zu haben. Sie selber erzählte ihrer Tochter, man habe sie gewählt, weil sie mit ihren dunklen Haaren ihrem Filmsohn Pavel Trávníček ähnlich sah, und auch, weil sie nicht auf eine blonde Perücke bestand.

Als Königin in 3hfa ist sie jedenfalls die perfekte Besetzung. Sie ist schön und klug und jeder am Set mag sie. Gleich am ersten Drehtag vermittelt sie zwischen König Rolf Hoppe und dem Regisseur. Gefilmt wird der Familienrat, wie wir wissen, sind das Szenen voll feinem Humor. Doch Hoppe befürchtet, dass er sich lächerlich machen soll. Lesch erklärt ihm, er spiele eher einen Vater als einen Herrscher.
Ihre Tochter stellt die Zusammenarbeit der beiden Theaterkollegen so dar: „Am Theater erarbeitet man sich Rollen gemeinsam, das gehört zum Handwerk eines Schauspielers. Beide spielten ein Königspaar und man verständigte sich darüber, wie die Rollen angelegt sind. Ich finde, sie haben das gut gelöst. ... Die Szene im Turmzimmer, wo der bevorstehende Ball besprochen wird, ist so voller Liebe und könnte in jeder Familie stattgefunden haben.“
Weiter heißt es in Ihrer Auskunft: „Ein wunderbares Drehbuch und ein wunderbarer Regisseur. Immer wenn meine Mutter gefragt hat, was sie besser machen könnte, soll Václav Vorlícek gesagt haben: Alles prima, prima schöne Königin. Der Prinz hat sie immer „Mamimka“ genannt. Meine Mutter sprach immer voller Liebe über diesen Film und über die Dreharbeiten. ...“

Die Königin in unserem Lieblingsfilm ist ihre letzte Filmrolle gewesen. Ihre Tochter weiß: „Meine Mutter sah ihre Hauptaufgabe ab 1977 darin, meinen Vater bei der schwierigen Aufgabe das DEFA-Studio zu leiten, zu unterstützen. Sie verzichtete deshalb auf die Fortführung ihrer eigenen Karriere. Das ist ihr nicht leichtgefallen, sie hat ihren Beruf sehr geliebt.“
Seit 1998 lebt sie mit ihrem Mann im Harz. 2009 stirbt Hans-Dieter Mäde nach langer schwerer Krankheit. 2011 entschließt sich Karin zu ihren Kindern Michael und Anja Mathilde nach Berlin zu ziehen. 2013 gibt sie einer Zeitung in ihrer Geburtsstadt Zürich ein seltenes Interview (s.u.).
2023 passiert, was keine Mutter erleben möchte: Nach langer Krankheit stirbt ihr Sohn Michael mit nur 61 Jahren. Zwei Jahre später, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, verstirbt unsere schöne Königin in einem Pflegeheim. Laut ihrer Tochter Mathilde hatte sie noch bis wenige Monate vor ihrem Tod gelegentlich Autogramme gegeben und ist schließlich friedlich eingeschlafen.
Wie werden sie sehr vermissen! Unser Mitgefühl gilt ihren Hinterbliebenen. Ich bedanke mich sehr herzlich bei Frau Wallocha für die Fotos und die Auskünfte über ihre Mutter!
Weihnachten 2013 - Karin Lesch gibt ein Interview!
Und zwar dem städtischen Amtsblatt ihrer Geburtsstadt Zürich, dem Tagblatt. Toll, vielen Dank, Frau Lesch! Und Danke an Christoph P., der mich darauf brachte.
Leider ist das Interview online nicht mehr abrufbar, daher hier eine kurze Zusammenfassung: Karin Lesch wurde praktisch aus Familientradition Schauspielerin. Durch ihre Mutter hatte sie schon als Kind viel Kontakt zu Theaterschaffenden.
Über die Dreharbeiten zu 3hfa weiß Frau Lesch noch zu berichten, dass eine freundliche Stimmung gegenseitiger Achtung am Set herrschte und das während des Drehs der Ballszenen viel gelacht wurde. Es freut sie, dass der Film immer noch angeschaut wird.
Nach einer Erklärung für die große Beliebtheit von 3hfa gefragt, antwortet sie: "Man spürt darin eine grosse Achtung vor dem Leben, was die Liebe zu Natur und Tieren einschliesst. Der Film beschwört – ohne Zeigefinger! – die Solidarität der Anständigen. Und nicht zuletzt ist in ihm Humor allgegenwärtig. ..."
Sie ist froh, einen Anteil an diesem Film gehabt zu haben - wir auch!
Filmografie
Dass ich überhaupt eine Filmografie hier präsentieren kann, verdanke ich Katrin und Uta von www.defa-sternstunden.de. Danke!
Jahr Titel Rolle
1959 Das Zaubermännchen Müllerstochter Marie
1959 Eine alte Liebe Sabine Schröder
1960 Morgen Abend um sieben (TV)
1961 Der Tod hat ein Gesicht junge Schwester/Nonne
1968 Die Toten bleiben jung Lenore
1971 KLK an PTX - Die Rote Kapelle Dr. Elfriede Paul
1973 Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Königin
Quellen:
- Aeppli, Felix: "Mathilde Danegger" in: Historisches Lexikon der Schweiz (dortige Quellenangabe: H. Dumont, Gesch. des Schweizer Films, 1987), online unter http://www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D9151.html
- Crüger, Herbert: Verschwiegene Zeiten – Vom geheimen Apparat der KPD ins Gefängnis der Staatssicherheit
- Ebert, Gerhard: "8.6 Das Leiter-Duo" in: 100 Jahre Schauspielschule Berlin - Von Max Reinhardts Schauspielschule des Deutschen Theaters zur Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin; online am 31.08.2025 unter http://www.berliner-schauspielschule.de/leiter-duo.htm
- Großes Lexikon der DDR-Stars über Katrin und Uta von www.defa-sternstunden.de
- Unicorn Media (Hg.): Karin Lesch, in: www.kinotv.com, Datenbank/Biographien, http://www.kinotv.com/page/bio.php?namecode=60451
- Wallocha, Anja Mathilde: E-Mail-Verkehr mit Anja Mathilde Wallocha 19.-27.08.2025 und 01. – 04.11.2025
- wikipedia (Hg.): Hans-Dieter Mäde, online am 31.08.2025 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Dieter_M%C3%A4de
- wikipedia (Hg.): Karin Lesch, online am 31.08.2025 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Karin_Lesch