Die Dreharbeiten

Auf der neuen tschechischen DVD gibt es ein langes Interview mit Václav Vorlíček (für diese Webseite übersetzt von Renata Susewind), in dem er viele interessante Einzelheiten rund um die Dreharbeiten erzählt. Alles wichtige könnt ihr hier nachlesen!

Ost-Plakat von 1974 von Fred Westphal
Ost-Plakat von 1974 von Fred Westphal
West-Plakat von Lutz Peltzer
West-Plakat von Lutz Peltzer
aktuelles Filmposter des Progress-Filmverleihs von Angelika Rößler
aktuelles Filmposter des Progress-Filmverleihs von Angelika Rößler

Der tschechische Originaltitel ist Tři oříšky pro Popelku.

 

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" hatte in der CSSR am Donnerstag, den 1.11.1973 Premiere. Er ging mit 400 Kopien in den Verleih, was offenbar viel zu wenig war, denn sie waren lange Zeit ausgebucht.

 

Die DEFA feierte die deutsche Premiere am 8. März 1974 im Berliner Kino Babylon und erzielte damit das zweitbeste Jahresergebnis an der Kinokasse.

 

In der BRD lief der Film laut imdb am 19.12.1975 an, eine Woche später, nämlich am 26.12.1975 wurde er im Westfernsehen zum ersten Mal in der ARD ausgestrahlt (laut fernsehserien.de).

 

aus der FUNK UHR Dez. 1975
aus der FUNK UHR Dez. 1975

Vermutlich liegt es an den Programmzeitschriften, dass unser Lieblingsfilm immer mal wieder "Drei NÜSSE für Aschenbrödel" genannt wird. Für alle, die um den "richtigen" Titel mit ihren Freunden, Partnern oder Kollegen gewettet haben: Außer in einigen deutschen Programmzeitschriften heißt es im Titel immer "...Haselnüsse...", nur sehr selten schleicht sich mal ein "...Nüsse..." ein.

 

1998 wurde "Tři oříšky pro Popelku" von den Lesern einer tschechischen wöchentlichen Fernsehzeitschrift aus 651 seit 1931 gedrehten Filmen für die Auszeichnung als "Beste Tschechische Komödie des Jahrhunderts" nominiert und per Telefon während einer Live-Sendung schließlich auf den dritten Platz gewählt (hinter "S tebou me bavi svet" und "Kolya"). Dabei waren als Finalisten zunächst die jeweils beste Komödie des Jahrzehnts gewählt worden. Ich habe in Tschechien mal ein paar junge Leute gefragt, welches die beliebtesten tschechischen Märchenfilme sind. Da wurde neben 3hfa auch Väterchen Frost, Die Prinzessin mit dem goldenen Stern und Der Salzprinz genannt.

aus der Hörzu Nr. 44 von 1978
aus der Hörzu Nr. 44 von 1978

Schon kurz nach seiner Entstehung bekam der Film die ersten Preise. Václav Vorlíček erzählt auf der tschechischen DVD, welche Auszeichnungen der Film erhalten hat: "Zusammenfassend kann man sagen, im Ausland ist das Märchen sehr erfolgreich, z.B. in den deutschsprachigen Ländern. In Deutschland wird das Märchen seit 25 Jahren zu Weihnachten immer wieder gesendet, ähnlich wie in Tschechien.

 

Eigentlich war vorgesehen, dass die Premiere im November stattfindet aber ich musste mich einige Monate vorher an der Galle operieren lassen. Es waren Gallensteine. Ich wollte oder musste den Film ja im Winter drehen, ich hatte aber auch schon den Film "Jak utopit Dr. Mráčka" geplant. Wir begannen mit den Vorbereitungen, da bekam ich eine Gallenkolik. Ich musste mich einer Operation unterziehen. Um die Heilung zu beschleunigen habe ich mich in den Wochen nach der OP nach Karlsbad zur Kur begeben.

Ota Hofman und Václav Vorlíček auf dem Filmfestival 1973 in Ostrov nad Ohří - Dieses Foto hat mir Frau Markéta Moravcová vom Dům kultury Ostrov (Kulturhaus Ostrov) extra für die 3hfa-Fans aus dem Archiv gesucht und mir zur Verfügung gestellt - Danke!
Ota Hofman und Václav Vorlíček auf dem Filmfestival 1973 in Ostrov nad Ohří - Dieses Foto hat mir Frau Markéta Moravcová vom Dům kultury Ostrov (Kulturhaus Ostrov) extra für die 3hfa-Fans aus dem Archiv gesucht und mir zur Verfügung gestellt - Danke!

Mitten in den Anwendungen bekam ich Besuch. Ich war nur mit einem Badetuch bekleidet, da stand plötzlich ein Herr vom Kultramt vor mir, ich müsse sofort abfahren nach Ostrov nad Ohří. Ich kam gerade aus dem heißen Bad und war gar nicht begeistert. Ich sagte, dass ich mir dabei noch eine Erkältung holen würde. Man hat dann mit der Leitung des Sanatoriums geregelt, dass ich für einige Stunden die Einrichtung verlassen durfte.


In Ostrov nad Ohří gibt es ein Film- und Fernsehfestival. Damals war es einer der erste Jahrgänge. Ich wurde auf die Bühne gezerrt und bekam eine Kristallvase in die Hand gedrückt, Pavel Trávníček und Libuše Šafránková waren auch da und wurden mit dem "Goldenen Eisvogel" für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet. Das war noch ein paar Monate vor der Prager Premiere.


Monate nach der Premiere ging ich durch Prag und sah am Kino Sevastopol das große Plakat und bemerkte, dass Vorstellungen um 10 Uhr, um 14 Uhr, um 17 Uhr und eine Abendvorstellung angekündigt waren. Ich fragte im Kino: "Wer geht denn ausgrechnet am Nachmittag in diesen Film?" "Nachmittags sind es vor allem Großmütter mit den Kindern, wir wissen nicht, wie lange wir das noch spielen werden, bisher war das Haus immer voll."


Und wie ich gehört habe, sieht es so in der ganzen Welt aus, der Film lief in 50 Ländern der Erde, in Asien, Afrika, Europa, Skandinavien, Algier, Korea, er hat viel Geld eingespielt. Der Film hat viele Auszeichnungen und Preise bekommen, ich habe den Überblick verloren. 12 Jahren nach der Premiere bekam ich in Manila auf den Phillipinen noch eine Auszeichnung. Man sieht, dass tschechische Märchen eine lange Lebensdauer haben. Denn nun kommen die Mütter, kennen den Film und erzählen ihren Kindern, schau mal, das ist ein toller Film, den musst du dir angucken. Die meisten Filme sind ein Jahr nach der Premiere uninteressant geworden und werden dann nur noch im Fernsehen gezeigt oder für Fans vielleicht noch einmal vorgeführt. Das ist bei Märchen schon anders."

 

Quellen:

 

  • Václav Vorlícek in seinem Interview auf der 2002er Ausgabe der tschechischen Film-DVD "Tri oríšky pro Popelku", Zlatý Fond Ceské Kinematografie 2002, übersetzt von Renata Susewind
  • http://cfn.vsb.cz/seznfrar.html http://www.cfn.cz/detail_film.php?id=599
  • Carolina, Student's e-mail news? from Czech Republic, E No 308 vom 13. Nov 1998
  • http://www.bibl.hff-potsdam.de/defa50/defa5012.html
  • http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=1297&seite=1
  • http://www.imdb.com/title/tt0070832/releaseinfo
  • Pressetext Progress Media / Kino Babylon (Hg.) zur Veranstaltung am 6.12.2009
  • Foto Hofmann und Vorlicek freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Markéta Moravcová, vedoucí Informacního centra, produkce, Dum kultury Ostrov nad Ohrí