Die Dreharbeiten im Winter

Warum 3hfa im Winter spielt

Den Film überhaupt im Winter spielen zu lassen, war Vorlíčeks Idee gewesen, und das kam so: Eines Tages bekam Vorlíček ein Drehbuch, das ihm gut gefiel. Er beschloss ziemlich rasch, dass die Geschichte ungefähr in der Renaissance spielen sollte und damit würde der Film nicht ganz billig werden. Man brauchte angemessene Kostüme und Dekorationen und Vorlíček wollte auch nicht in der letzten Ecke drehen. Daher fragte er Ota Hofman, damals Leiter der Produktion Kinder- und Jugendfilme, der gute Kontakte zur DEFA hatte, ob er nicht in der DDR mal nachfragen könnte. Und tatsächlich wollte sich die DEFA beteiligen und erklärte, dass man etwa eine Million Mark (Ost) bereitstelllen könnte. Man traf sich um über die weiteren Bedingungen der Zusammenarbeit zu verhandeln, was Vorlíček nicht besonders interessierte, der das Geld sicher wusste.

 

Eigentlich sollte der Film im Frühling spielen, Aschenbrödel sollte durch blühende Wiesen reiten, aber einer der Verantwortlichen der DEFA verlangte, dass seine Leute im Winter beschäftigt würden, für den Frühling und den Sommer habe er schon genügend Filmprojekte. Man könnte also in den Babelsberger Filmstudios im Dezember und Januar 1972 drehen (dann würden die Babelsberger Mitarbeiter auch noch Weihnachtsgeld bekommen) und nach zwei, drei Monaten, wenn der Frühling da wäre die Außenaufnahmen machen. Das passte wiederum den Herren von Barrandov nicht, die dann für ihre Leute zwei Monate lang keine Arbeit gehabt hätten.

 

Währenddessen hing Vorlíček seinen Gedanken nach und hatte im Kopf ein Winterbild von Brueghel, das er in einer Wiener Ausstellung gesehen hatte. Er hatte die ganze Szene in der die Leute im Hintergrund Schlittschuh laufen und im Vordergrund Hirten stehen, und ziemlich viele Personen, alte und junge zu sehen sind, genau vor Augen und sagte plötzlich zu den anderen: "Meine Herren, ich möchte den ganzen Film komplett im Winter drehen." Die anderen guckten verdutzt, aber so wurde es schließlich auch gemacht. Das Drehbuch wurde auf Winter umgeschrieben, was nicht weiter störte und man vereinbarte, dass zunächst in Deutschland gedreht werden sollte, wonach man sofort in die damalige CSSR zurückfahren und dort weiterdrehen würde.

 

Bei dem Bild müsste es sich um "Jäger im Schnee" handeln, es ist von Pieter Brueghel d.Ä. 1565 gemalt worden und hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien. Aber ersteres ist nur geraten.

 

 

Kein Schnee in Moritzburg

Weiter erzählt Vorlíček selbstironisch, dass dafür, dass er diese tolle Idee gehabt hätte alles im Schnee zu drehen, die Dreharbeiten die reinste Katastrophe waren. Im Winter 1972/73 fiel nämlich von der Ostsee bis ans Schwarze Meer nicht eine Schneeflocke. Nur in den Alpen lag welcher, aber abgesehen davon, dass man da aus politischen Gründen nicht hinkonnte, war es auch zu weit und zu hoch.

Nachdem man also im Studio die Fensterscheiben von außen mit "Schnee" beklebt hatte, fuhr das Team nach Moritzburg. Dort war zwar der See gefroren und das Schloss ein bißchen beschneit, die Landschaft sah aber nicht weiß aus, sondern rot-schwarz-braun, auf keinen Fall also winterlich. Auch im Wald lag nur trockenes Laub herum. Man verteilte also für den Dreh Unmengen von Kunstschnee, das waren Kunststofflocken, die man in Säcken mitgebracht hatte. Dem damaligen Schlossdirektor behagte das gar nicht und er betrat die beschneite Wiese nicht, so erzählt man es sich heute.


Die Bäume sind nur bis zu einer bestimmten Höhe mit Schnee beklebt, auf dem Schloss liegt gar kein Schnee
Die Bäume sind nur bis zu einer bestimmten Höhe mit Schnee beklebt, auf dem Schloss liegt gar kein Schnee
Vorne Kunstschneeflocken, hinten Herbst.
Vorne Kunstschneeflocken, hinten Herbst.

Das schlimmste aber war die komplett schwarze Fläche des Sees, dabei sollten doch die Kutschen mit dem königlichen Gefolge malerisch auf das Schloss zu fahren!

 

Samstags beendete die Crew die Vorarbeiten für den Dreh, der am Montag starten sollte. Am Sonntag kamen auf einmal Massen von Schlittschuhläufern aus der ganzen Umgebung und tummelten sich auf dem See. Am Montag waren sie dann alle wieder weg - und der See war weiß. Darüber war die Filmcrew natürlich entzückt und die Aufnahmen konnten gemacht werden.

In Böhmen gab es richtigen Schnee.
In Böhmen gab es richtigen Schnee.

Die Szenen sollte an das Gespräch anschließen, in dem der König seinen Sohn zum Heiraten verdonnert, und das würde im Böhmerwald gedreht werden. Die Kutschen mussten ein Stück durch den Wald fahren, aber dort lag auch kein Schnee, also musste wieder der Kunstschnee herhalten.

 

Vorlíček beklagt die Qualitäten des deutschen Kunstschnees. Der tschechische klebte zwar am Straßenbelag und war schwer wieder zu entfernen, aber der deutsche war aus irgendwelchen Fischmehlen hergestellt, stank entsprechend und löste sich auf chemischem Wege über Nacht in Nichts auf. In der Rückschau moniert der Regisseur, die Tschechen hätten wenigstens die Umwelt nicht so verschmutzt.

 



Obwohl nur kein Schnee lag, war es doch bitterkalt. Ein Bewohner des Schlosses, Herr Weber, berichtet, dass Frau Safrankova eine Art persönlicher Assistentin hatte, eine ältere Dame, die auf die junge Schauspielerin aufpasste und für sie sorgte, wie hier links im Bild. Herr Weber, den ich 2011 persönlich kennenlernen konnte, wohnte damals, wie einige andere Angestellte des Schlosses im Schloss selbst (es war in den 1970ern ein Museum, genau wie heute). Er stellte mir nicht nur die Fotos zur Verfügung sondern erzählte mir auch, dass die Leute, deren Wohnungen Fenster zur Frontseite des Schlosses hatten, fünf Mark pro Fenster erhielten, wenn sie das Licht während der Dreharbeiten brennen ließen. Das Schloss sollte dadurch festlicher wirken.

Dreharbeiten in Böhmen - erst kein, dann zu viel Schnee

Auch in der Nähe von Klatovy, an den tschechischen Drehorten gab es zunächst keinen Schnee und man musste wiederum alles mit Kunstschnee zuschütten. Die ausgewählten Drehorte waren unter iesen Umständen nicht alle brauchbar. Am dritten Tag aber bekam Vorlíček die Nachricht, dass es im Böhmerwald schneit. Er lieh sich Vladimír Menšíks Auto und fuhr Richtung Zelezna Ruda. Nach ca. 25 Kilometern steckte der Wagen im Schnee fest und Vorlíček schaffte gerade noch den Rückweg. Innerhalb der nächsten paar Tage schneite es ganze Federbetten, wie der Regisseur es formuliert, es war schon fast zu viel Schnee.

Man musste auch für diese Situation neue Drehorte suchen und im Wald musste die gesamte Crew vom Regisseur bis zu den Beleuchtern den Set festtrampeln bis alle nasse Schuhe hatten, damit gedreht werden konnte (dass die Wege der Schauspieler freigemacht und vorgestampft wurden sieht man besonders während der Verfolgung im Wald ganz gut). Der Kameramann musste natürlich aufpassen, dass er den festgetretenen Schnee nicht zu deutlich vor die Linse bekam.



Trotzdem konnte man eine schöne Winteratmosphäre einfangen. Später begann es zu tauen, der Schnee tropfte von den Bäumen und es regnete. Alles in allem, so Vorlíček hatte man in diesem Jahr viel Spaß mit dem Schnee.

 

Besonders auffällig finde ich die Probleme, die man beim Dreh mit dem Wetter hatte, bei der (offiziellen) Jagd. In kurzer Folge wechselt trübes Wetter mit Schneefall und Sonnenschein ab.

 

Wie die Situation für die Schauspieler war, berichtet Daniela Hlaváčová in einem Interview mit der tschechischen Zeitschrift "Televize".