Der Hof und die Umgegend - Wasserburg Švihov und Böhmen

Der kleine, unscheinbare Ort Švihov liegt in Böhmen, ca. 30 km südlich von Plzen und gehört zum Kreis Klatovy.

 

Die Wasserburg Švihov enstand Anfang des 14. Jahrhunderts in den Auen des Flusses Uhlava, als man den Standort einer ersten Festung aus dem 13. Jahrhundert dorthin verlegte. Obwohl sich dieser Standort später als vorteilhaft erweisen sollte, hatte man zunächst bei der Anlage der Wassergräben geschlampt, denn im Hussitenkrieg gelang es dem Feind 1425 das Wasser aus den Wassergräben einfach abzulassen.

Als nächstes wurde daher in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine künstliche Insel zwischen dem Fluss und einem Kanal angeschüttet, auf der die neue Burg Švihov gebaut wurde. Herr des Großgrundbesitzes Švihov war damals Puta Švihovsky, ein Oberrichter. Er betraute den Baumeister Benedikt Ried (der auch an der Erbauung der Prager Burg beteiligt war) mit dem Bau seiner neuen, ziemlich großen Wasserburg, die sich Anfang des 16. Jahrunderts - Puta war gestorben und hatte zwei Söhnen die Burg hinterlassen - zum Palast auswuchs. Die ganze Zeit über arbeitete Benedikt Ried an der Burg, so dass sie heute wegen ihrer Stilreinheit (Spätgotik) bekannt ist.

Das liegt auch daran, dass spätere Besitzer die Säle zu Kornspeichern umbauen und später die Burg ganz verfallen liessen. Erst nach 1945 - die Burg ist seitdem im Besitz des Staates - wurde und wird sie grundlegend renoviert.

 

 

Winter 1972/73 - Švihov wird zum Drehort für 3hfa

Tja, wie das gekommen ist, weiß man nicht. Üblicherweise gibt es beim Film Leute, die sich nur damit beschäftigen, geeignete Locations zu finden. So dürfte das auch bei 3hfa gelaufen sein. Irgendjemand zog los oder wälzte Kataloge vergangener Dreharbeiten und schließlich wurde eine kleine Wasserburg als "Hof der Stiefmutter" auserkoren.

 

Doch das alte Gemäuer erfüllte nicht alle Anforderungen, die man an einen solchen Hof stellen würde. Das Wahrzeichen der Wasserburg Švihov, ein großer Turm mit eckigem Grundriss, passte so gar nicht zu einem Gutshof und durfte im Film nicht auftauchen. Was hier zuviel war, fehlte an anderer Stelle, denn einen Balkon, von dem aus die Gutsherrin ihre Untergebenen anbrüllen konnte, gab es nicht. Der musste vor dem Filmen also noch gebaut werden. Und die großen Bögen der Scheunentore waren offenbar nicht reniassancehaft genug, denn sie wurden mit Holzplatten zu Spitzbögen verkleidet.

 

Andere Probleme waren eher praktischer Natur. Man brauchte ein Tor, dass man dramatisch zuknallen oder aufbrechen konnte - außerdem sollten die Hauptdarsteller von weitem darauf zureiten können. Beides in einem ging nicht, also mussten zwei Tore gebaut werden (oder besser gesagt: eins - und das wurde umgesetzt), eins für die Innenhofszenen und eins für die Szenen von außen.

 

All dies haben wir 2001/2002 herausbekommen - da war das öffentliche Interesse an 3hfa noch eher gering und auf die Fans begrenzt. Öffentliche Stellen hatten schon gar kein Interesse an den Details zu einem alten Kinderfilm.

 

Doch die Jahre vergingen und die Begeisterung von 3hfa wurde immer größer - besser gesagt: sie äußerte sich. Scheinbar haben einige Leute die Burg Švihov nur wegen 3hfa besucht und dort wohl auch nach den Dreharbeiten gefragt. Im Sommer 2009 tauchten jedenfalls auf der Webseite der Burg Fotos von den Dreharbeiten auf, die zu diesem Zeitpunkt immerhin schon knapp 37 Jahre zurücklagen. Sensation!! Und wer hat diesen link gefunden? Niemand anders als Chefrechercheurin Loona-Night! Mal wieder super gemacht, Loona!!


Inzwischen sind nur noch zwei Fotos von den Dreharbeiten zu sehen und der link hat sich auch mehrmals geändert (danke Karin für die Aktualisierung). Der Burgvogt, Herr Lukáš Bojcuk war aber schon 2011 so freundlich, uns diese Fotos für diese Webseite noch einmal zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um Scans von alten Fotos und ist einfach genial.

 

Lest im Folgenden, wie wir Fans die unglaublichen Fakten auf eigene Faust entdeckten.

 

 


Švihov für 3hfa-Fans lange Zeit nicht wiederzuerkennen

Bei Recherchen im Internet stieß ich 2001 in der tschechischen Filmdatenbank Ceske Filmové Nebe (www.cfn.cz) auf die trockene Angabe dass ein Drehort für 3hfa "Hrad Švihov" (auf Deutsch: Burg Schwihau) gewesen sein soll. Dieses Detail stellte ich auf meine Webseite.

Am 28. Dezember 2001 bekam ich dann überraschend Post von Tom aus Bayern, der mir schrieb: "Nachdem plötzlich Tauwetter eingesetzt hat bin ich heute Hals über Kopf nach Svihov gefahren. Ich kam daher nicht mehr dazu, mir eine gute Digitalkamera zu besorgen und hatte stattdessen nur meine kleine Webcam dabei. Auch wollte ich einen tschechischen Bekannten als Dolmetscher mit einbeziehen, aber das hat heute auch nicht mehr geklappt. Sei´s drum.

Leider kam ich trotz Allem doch ein wenig zu spät: Es pfoff ein ekliger Regensturm und hat fast die ganze weisse Pracht dahingerafft. Ich war völlig alleine da, niemand zu sehen, den man hätte um Auskunft bitten können und die Dorfbewohner, die ich frug, konnten ebensowenig deutsch wie ich tschechisch. Ich konnte auch nicht in die Burg hinein, alles abgeschlossen.

Also, wenn du mich fragst wurden hier keine Aufnahmen zum Film gemacht. Ich habe versucht mich an dem Tor zu orientieren, durch das man im Film in den Hof gelangte. Das befand sich, wenn ich mich nicht irre, in einer Ecke und die Mauern hatten ein Dach. So ein Tor gibt es hier jedoch nicht.

Lediglich aus einer Perspektive (siehe rechts) könnte ich mir das Innere des Hofes vorstellen. Die Burg liegt auch keineswegs abseits sondern schließt unmittelbar an das Dorf an. Zudem sind die meisten Gebäude wesentlich höher als die im Film. Du kannst dir ja selbst ein Bild machen.


Ich habe einen tschechischen Freund darauf angesetzt, die Drehorte zu ermitteln und so wie ich ihn kenne sind sehr bald Resultate da. Wenn es soweit ist fahren wir gemeinsam dorthin, dann habe ich auch eine gute Kamera dabei. Ich werde dich auf dem Laufenden halten.

So, ich werde mich jetzt erstmal für 10 Minuten unter die Schulterklopfmaschine stellen." - Völlig zu Recht, wie ich finde.

 

Toms Fotos brachten mich ins Grübeln. Ich holte mir also Fernseher und PC zusammen, und verglich Standbilder des Films mit dem, was Tom mir per e-mail geschickt hatte. Nein. Das sah tatsächlich nicht nach dem "Hof der Stiefmutter" aus. Musste ich also wieder ganz von vorn anfangen und bei den damals noch mitteilungsunwilligen Tschechen nach Informationen suchen? Ich beschloss, auch mal nach Švihov zu fahren, wenigstens selbst anschauen wollte ich diese dumme Burg mal.

 

 

Recherche im Sommer

Es wurde Sommer, endlich hatte ich Urlaub. Zwar nicht das richtige Flair für eine 3hfa Wallfahrt, aber man beschwert sich nicht.

 

Erst ging es nach Dresden, dann nach Prag. Endlich war es soweit: Der letzte Tag sollte ganz Švihov gehören. Am Vorabend fuhren mein Freund und ich von Prag nach Klatovy, wo wir übernachten wollten. Auf dem Weg kommt man an Švihov vorbei. Zeit für ein erstes Foto.

 

Sah ja recht nett aus.

Am nächsten Morgen, die Sonne schien noch, fuhren wir sofort wieder hin. Es ist, wie Tom geschrieben hatte: Die Burg liegt direkt neben dem Dorf, man kann 200 m daneben parken, auf dem Schild steht sogar "Wasserburg".

 

Natürlich machten wir uns als erstes auf die Suche nach dem Tor, das man im Film immer sieht. Für den perfekten Vergleich hatte ich Screenshots von der DVD gemacht.

 

Schon als ich im vergangenen Winter angestrengt Bilder vergleichend vor dem Fernseher gesessen hatte, war mir aufgefallen, dass bei den Dreharbeiten an zwei verschiedenen Toren gefilmt worden sein muss (über solche kleinen Fehler können Fans sich nicht aufregen, die die wundersame Frisuränderung auf der Jagd vornehm übersehen ;-).

Wenn man das Tor von innen sieht, ist der Turm, an den die Tor-Mauer stößt, deutlich größer, als diese Mauer

Wenn man das Tor von außen sieht, ist aber die Mauer fast so hoch wie der Turm - von dem Knick in der Mauer mal ganz zu schweigen.


Wir versuchten also erst mal, auf der Suche nach einem oder zwei Toren die ganze Anlage zum umrunden - besser gesagt, ich strebte vorwärts und zog meinen Freund hinter mir her. Naja, wie wir ja nun schon wussten, ist Švihov eine Wasserburg, wir konnten nicht drumherum gehen...

 

Also doch in den Hof. Durch das zerbröckelte Tor.



Aha. Imposanter Turm. Nett renoviert. Sieht man im Film auch nicht - tststs...

 

 

Wie Schuppen von den Augen

Dieser Teil des Innenhofes kam uns - genau wie Tom - dann doch sehr bekannt vor:

Und weiter rechts sieht man die anderen Gebäude. Auch das ist zwar neu verputzt worden, und wir haben mangels Leiter die Perspektive nicht richtig erwischt, man kann den "Hof der Stiefmutter" aber gut erkennen:

Hier musste einfach die Stelle sein, an der Aschenbrödel im Brautkleid erscheint. Alles stimmt: Die Linien auf der Wand, die Fächer in der Mauer über den Toren und die Anordnung der Tore - sogar ein Leiterwagen stand auf dem Platz.

Wir fanden, dass das Filmteam dünne Holzplatten vor die Toröffnungen gestellt und entsprechend bemalt hat um aus den breiten Toren Spitzbögen zu machen. Im Film kann man die Kanten dieser Verkleidung ganz deutlich sehen.

Und 2009 die Bestätigung: Genauso war's! Auf dem Foto seht ihr bei dem mittleren Tor die beiden Hälften des Spitzbogens noch auf dem Boden liegen - fertig angemalt und bereit zur Montage.


 

Und weiter rechts sieht man die anderen Gebäude. Auch das ist zwar neu verputzt worden, und wir haben mangels Leiter die Perspektive nicht richtig erwischt, man kann den "Hof der Stiefmutter" aber gut erkennen:

Unser Foto
Unser Foto
Filmausschnitt
Filmausschnitt
Setfoto - sogar das Scheunentor ganz links wurde verkleidet, es ist im fertigen Film nie zu sehen.
Setfoto - sogar das Scheunentor ganz links wurde verkleidet, es ist im fertigen Film nie zu sehen.

Nachdem wir nun sicher waren, dass zumindest Teile der Aufnahmen hier gemacht worden waren, sahen wir uns nach dem Rest um. Einen Holzbalkon hatten wir bei der Besichtigung nicht gesehen, aber vielleicht war der ja auch extra für den Film angebaut worden. Da wir auch kein anderes als das Eingangstor fanden (das überhaupt nicht neben einem Turm steht), schwante uns langsam, dass man möglicherweise sogar die Tore als Kulissen angefertigt hatte. Jaja, so naiv geht man an die Sache ran, wenn man von nix ne Ahnung hat.

Ich wollte jetzt aber sichergehen und auf der Suche nach Tor und Balkon noch mal das ganze Gelände ablaufen. Mein Freund aber stand gedankenverloren vor der linken Seite des ehemaligen Hauptgebäudes und starrte abwechselnd in die Mappe mit den Screenshots und auf die stehengebliebene Mauer, in der leere Fensterhöhlen klaffen.

 

Und dann bewies er mir: An diese Mauer haben Barrandovs Kulissenbauer den Holzbalkon angelehnt!


Wieder haben wir die Perspektive nicht getroffen, aber trotzdem - die kleinen Fenster über den großen beweisen: Das hier ist die Stelle! Das Fenster ganz rechts ist auch auf dem Filmausschnitt ganz rechts. Das daneben sieht im Film aus, wie eine Tür, man sieht ja wegen der Balkonbrüstung nicht, dass es nicht so tief herunter geht. Das zweite Fenster von links ist hinter dem kleinen Erker verborgen und das Fenster ganz links befindet sich im Film auf der anderen Seite der Treppe. Das Foto ganz rechts zeigt die Situation, die man so schön übersichtlich im Film auch nie sieht.

 

Die Anordnung der großen und kleinen Fensterlöcher zueinander ist genau gleich. Trotzdem zweifelte mein Freund plötzlich: "Die Fenster sind im Film viel weiter auseinander, als hier", meinte er. Wenn man sich aber die Holzrahmen wegdenkt, die die Kulissenbauer in die Steinlaibungen eingesetzt haben (und geschickterweise mit Glas und Gardinen gefüllt haben), dann stimmt es wieder. Und das obere, abgebrochene Ende der Mauer ist im Film nie zu sehen.

Genau hier, an der halbzerstörten Außenwand eines Burggebäudes, das schon lange kein Dach mehr hat, hat man die Holzkonstruktion angenagelt.

 

A propos genagelt: Sollten da etwa noch...


Ja.

 

Im Film wird deutlich, dass das von innen zu sehende Tor direkt neben dem Holzanbau liegt. Es muss also an den runden Turm angebaut worden sein, wahrscheinlich hat es etwa da gestanden, wo heute der Zaun ist. Um die Schnittstelle zwischen echtem, uraltem Gemäuer und nachgebautem Pappmäuerchen zu verdecken, hat man dann noch irgend so ein Gestrüpp an die Wand gelehnt.

Unser Foto - das Wetter wurde langsam schlechter.

Filmausschnitt

Setfoto - in der Ecke zwischen Kulisse und Burgturm ein vertrocknetes Bäumchen


Setfoto mit Beleuchter
Diese Einstellung ist im Film nicht verwendet worden, denn die Magd, die hinter Stiefmutter und Dora steht, kommt an der Stelle im Film nicht vor.

Filmausschnitt

Vinzek fährt einkaufen


So weit so gut. Inzwischen regnete es in Strömen (es waren wohl die ersten Ausläufer des Regentiefs, das ein paar Tage später halb Tschechien und das ganze Elbegebiet verwüsten sollte) und wir waren die einzigen Bekloppten, die noch mit der Kamera wie die aufgescheuchten Hühner um die Burg herumliefen. Dafür war uns jetzt klar: Švihov ist der "Hof der Stiefmutter".

 

Noch ein paar Setfotos, auf denen man das ganze unromantische "Drumherum" erkennen kann.

Ausschnitte aus dem Foto rechts oben:

links: Der Regisseur (mit Schlägermütze) inmitten des Drehteams

rechts: Der Küchenjunge will den Schuh auch probieren.


Aber wo ist das Außentor?

Wir hatten fast alle Gebäudeteile identifiziert, die im Film zu sehen sind. Ein Blick von der Außenseite zum imaginären Innentor machte aber klar, was auch Tom aus Bayern schon festgestellt hatte: Aus dieser Richtung hätte man Aschenbrödel und später den Prinzen nicht so schön im Heranreiten filmen können. Kein Platz. Wo also waren diese Aufnahmen enstanden?

Bester Anhaltspunkt - fanden wir, waren die beiden Dachgiebel, die man von außen hinter dem Tor sehen kann. Wir merkten, dass wir den Innenhof verlassen und außen um die Burg herumgehen mussten.

 

Tatsächlich blickt man, wenn man aus dem Tor getreten und nach rechts um die Kapelle heurmgelaufen ist, genau auf die Walmdachgiebel zweier riesiger Scheunen. An der hintersten Ecke des zweiten Gebäudes steht auch ein Turm.


Das sah ja fast so aus, wie im Film.


Der Filmturm am hinteren Ende der Mauer musste wohl derselbe sein, wie der an der hintersten Scheunenecke. Der große helle Fleck und das kleine Fenster sowie natürlich die Anordnung der beiden Dächer waren einfach zu ähnlich (auch wenn der Winkel, in dem wir das Arrangement fotografiert haben, wieder nicht genau derselbe ist - nächstesmal nehmen wir eine Leiter mit ;-). Aber irgendwas stimmte nicht...

 

Ich kriegte es einfach nicht auf die Reihe. "Meine Güte, haben die eine lange Mauer gebaut!" sagte ich angesichts der beiden wirklich sehr großen Scheunen. Immerhin geht die Mauer im Film vor den Scheunen her, macht einen Knick und stößt dann an den Turm, und das waren gut und gerne mal so siebzig Meter Strecke, die die Kulisse überbrücken musste. Dabei sah das im Film alles so klein aus.

 

Waren wir doch auf dem Holzweg? Die Dächer und vor allem der Turm, alles passte, aber die Mauer sah so seltsam aus, lag es vielleicht am Kamerawinkel? Ich verstand es einfach nicht.

Mein Freund aber hatte die zündende Idee: Die Mauerkulisse lief zwar vor den beiden Scheunen her, reichte aber bei weitem nicht bis an den Turm heran. Man hat sie einfach perspektivisch schief gebaut und im Vordergrund auch noch ein Hügelchen aufgeschüttet, um den Eindruck zu verstärken. Den Boden, auf dem die Kulisse steht, hat man durch den etwas erhöhten Weg im Vordergrund verdeckt. Alles Beschiss!

 

Naja, so hat es in etwa ausgesehen, hätten wir dieselbe Kameraposition erwischt, sähe es genau gleich aus, aber man kann es sich auch so vorstellen...

 

Das hat übrigens auch Lothar aus der Schweiz selbsttätig herausgefunden, der den ersten Teil dieses kleinen Berichts so spannend fand, dass er selbst versuchte, das Geheimnis um das zweite Tor zu lüften - Respekt!

 

Und hier die beweiskräftigen Details (jeweils links: Film, rechts: Bestand 2002):


Der Turm hat jetzt ein neues, höheres Dach.

Das Dach der vorderen Scheune - der First hat die gleichen Beulen,
die dunkle Stelle sieht man auch im Sommer.



Der Turmrest im Vordergrund - heute wiederaufgebaut, die einstmals stehengebliebenen Mauerteile sind noch deutlich zu erkennen.

Die doppelte Zierkante unter dem Dach


Wir waren ziemlich baff. Die Stelle außerhalb des Burggeländes sah nicht nur ein bisschen nach 3hfa aus, man kann auch noch alle möglichen Details wiedererkennen. Mit allerlei geschickten Zimmermannsarbeiten hatte Barrandov hier eine perfekte Illusion geschaffen - kein Wunder, dass Hollywood so viel in Prag drehen lässt...

 

Mario schreibt dazu: "Interessant fand ich auch die Info über die optische Täuschung mit der kurzen Mauer, welche scheinbar bis an den kleinen runden Turm heranreicht. Verstärkt wird dieser Eindruck zusätzlich durch die perfekte farbliche Angleichung der Mauer im Vordgrund an den Turm im Hintergrund und die Schärfe des Hintergrundes. Das "Dunkel" des Turmes ist 1 zu 1 im Übergang an der Mauer zu finden.


Überhaupt sind die angebauten Kulissen farblich und strukturell hervorragend an die realen Bauten angeglichen. Ein Kompliment an die Kulissenbauer/Szenenbildner."

 

Mehr gab es an diesem Tag für uns nicht zu sehen oder zu erfahren. Das Personal in der Burg war durchweg sehr jung und wusste nichts über die Dreharbeiten. Zwar war ihnen wohl schonmal gesagt worden, dass lange vor ihrer Geburt Filmarbeiten stattgefunden hatten, aber man wollte oder konnte dazu nichts sagen. Interessanter fanden sie, dass erst kürzlich wieder ein Film dort gedreht worden war, das wollte wiederum ich nicht wissen.

 

Dieser sträflichen Ignoranz ist es zu verdanken, dass ich keine Ahnung habe, welcher Film das war, aber wenn ich es richtig im Kopf habe, dann war es eine tschechische Fernsehproduktion. Falls ihr aber mal im Kino sitzt und eine Burg mit drei kleinen runden und einem großen eckigen Turm euch bekannt vorkommt, dann ist es wohl Švihov...

 

 

Lothar ergänzt Details

Später hat Lothar noch etwas interessantes festgestellt: Die Außenkulisse scheint dieselbe zu sein, wie beim inneren Tor. Damit wir uns richtig verstehen: Nach den Aufnahmen im Burghof hat man das Tor abgebaut und mit andersherum angeschlagener Tür außen wieder aufgebaut und ein bisschen Mauer dazugezimmert (oder andersherum).

 

Hier die Anhaltspunkte, die diesen Verdacht erhärten:

 


Links das Tor von außen, rechts von innen - die Steine sehen gleich aus.

Sowohl von außen als auch von innen fällt der mit einer zusätzlichen Latte erhöhte First der Mauerabdeckung auf.



Links von außen, rechts von innen, hier sieht man deutlich dieselben Striche (Risse?) um das Tor: einen waagerechten links und einen waagerechten und einen senkrechten rechts. Auch der zweite (oder dritte?) Umfassungsstein von der Spitze aus nach rechts ist bei beiden Bildern kürzer, als die anderen Steine.

 

Es könnte wirklich stimmen - noch ein Lob an Lothar!

 

Diese Szene ist im 2 km entfernten Mezihoří entstanden.
Diese Szene ist im 2 km entfernten Mezihoří entstanden.

Nun, was soll ich sagen. Dieser eigentlich sehr kurze Aufenthalt in Böhmen war für mich einfach riesig. Ich hoffe, ich konnte euch unsere Spannung und Entdeckerfreude ansatzweise vermitteln. Dass man Burg Švihov nicht mal auf den zweiten Blick als Gut der Stiefmutter erkennt, ist bei den baulichen Veränderungen und eingeschränkten Blickwinkeln im Film kein Wunder.

 

Wer eine Reise nach Tschechien plant, sollte es sich trotzdem mal anschauen. Die Gegend ist schön, uns sind nur sehr nette Leute begegnet (auch wenn wir bestimmt oft genervt haben) und die verträumte, nur von wenigen Touristen angefahrene Burg ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Aber Vorsicht: letztes Jahr hatte ein Fan ziemliches Pech: Als er nach mehreren hundert Kilometern Fahrt an der Burg ankam, war die für diesen Tag von einem Unternehmen für eine Betriebsfeier gemietet worden und alles Bitten und Flehen und Geld half nichts. Also lieber mal zwei Tage einplanen, oder vorher anrufen: +420 376 393 378.

Vielleicht ist es aber auch nicht nötig, bis nach Böhmen zu gurken, um die Burg in ihrem heutigen Zustand zu sehen. Denn, wie Mario mir schreibt, sie "ist scheinbar eine beliebte Kulisse für mittelalterliche Szenen.


So gab es einen Beitrag auf Pro7 (Galileo, 21.09.06, [Thema: Ritterturniere - Sportevent des Mittelalters]), wo diese Burg im Hintergrund zu sehen ist (siehe Bild). Da viele Produktionen für deutsche Sender dem Filmstudio Barrandov in Prag übertragen werden, greifen diese wohl gern auf (alt)bekannte und bewährte Drehorte zurück."

Auch im Film "Neues vom WiXXer" (2007) sieht man ganz kurz die vertrauten Bauten von Burg Švihov, allerdings wurden offenbar mehrere Ansichten aus verschiedenen Perspektiven zusammengefügt und mit Türmen und Portal eines weiteren Gebäudes und einem hübschen Friedhof garniert. Trotzdem erkennt man die böhmische Wasserburg sofort.

Hrad Švihov heute

Eine Besichtigung des Inneren lohnt auf jeden Fall!

 

Das zerbröckelnde Tor, durch das man die Anlage betritt, macht zwar den Eindruck man habe er mit einer halben Ruine zu tun, die äußerlich ein bisschen aufgemöbelt wurde, aber von wegen! Die Burg, trauriger Rest einer einstmals stolzen Anlage mit vielen Türmen und mehreren Mauerringen, ist im Innern gut erhalten und wird sorgfältig restauriert. Die Führung, an der wir teilgenommen haben, war auf tschechisch. Der sehr freundliche, gut englisch sprechende Kassenwart hatte uns aber Schnellhefter in die Hand gedrückt, in denen wir das Wichtigste auf Deutsch mitlesen konnten.

Außerdem gibt es im Kassenraum inzwischen zahlreiche Andenken und auch Informationsbroschüren in diversen Sprachen zu kaufen. In der Vorhalle werden die Fotos gezeigt, die bei den Dreharbeiten im Winter 1972/73  von Helena Butulová, der Frau des damaligen Burgvogts, aufgenommen worden sind und die wir hier auf der Webseite präsentieren dürfen - ihr habt sie in den vorangegangenen Kapiteln gesehen. Noch mal ganz herzlichen Dank an den heutigen Burgvogt, Herrn Lukáš Bojčuk!!

Wie mir Herr Bojčuk, 2012 erzählte, wird nicht von den tschechischen Besuchern nicht oft nach 3hfa gefragt. Während der Führung durch die Anlage wurde nur einmal der Film erwähnt und zwar als die Gruppe auf der Rückseite der leeren Mauer stand, die von außen den Balkon der Stiefmutter getragen hatte. Natürlich fragen deutsche Touristen nach Aschenbrödel aber auch - haltet euch fest: Dänen!

Linktipps

Linktipps:

 

 

Die Gegend

Die nächste größere Stadt, Klatovy, liegt ca. 10 km südlich von Švihov und ist eine alte Königsstadt aus dem 13. Jahrhundert, die ihre Bedeutung als Kultur- und Wirtschaftszentrum nicht verloren hat. Heute ist sie Kreisstadt und hat etwa 23.000 Einwohner. Sie liegt im Erholungs- und Feriengebiet Böhmerwald 45 km südlich von Plzeň und etwa 100 km nordöstlich von Regensburg (Bayern).

Besonders berühmt sind in Klatovy der schwarze Turm und der weiße Turm.

 

Der schwarze Turm aus dem 16. Jahrhundert gehört zum Rathaus und wurde früher natürlich u. a. als Gefängnis benutzt. Er ist 81 m hoch und man kann ihn gegen eine kleine Gebühr besteigen.

 

Gleich daneben seht iht die beiden Türme der großen neobarocken Jesuitenkirche. Sie gehört zu einem großen, aber heute nicht mehr als solches benutzten Jesuitenkloster. Solltet ihr mal nach Klatovy fahren, schaut euch unbedingt den Innenraum dieser Kirche an (der Eintritt ist frei, nur wer möchte kann eine kleine Spende geben)!

Nicht nur dass den Innenraum zahlreiche Kapellen säumen, in denen jeweils ein mächtiger barocker Altar für irgendeinen Heiligen steht. Der wenig geräumige Altarraum wurde auch noch komplett so geschickt bemalt, dass es scheint, als stehe man vor einer weitläufigen Apsis komplett mit Säulen und Kuppel und allem - das ist aber alles nur aufgemalt. Sieht wirklich erstaunlich aus und man kann es einfach nicht so fotografieren, wie es beim Betrachten wirkt.

 

Der weiße Turm gehört zu einer anderen Kirche, an die er aber nicht angebaut ist. Er steht frei und weiß angestrichen neben der Kirche, die aus Bruchsteinen zu bestehen scheint.

 

Am Marktplatz gibt es außerdem die ehemalige "Einhorn-Apotheke", UNESCO-Weltkulturgut und heute Museum. Wenn ihr irgendetwas davon besichtigen wollt, fahrt nicht Montags hin, dann haben viele Sehenswürdigkeiten (und auch das Museum der Burg Švihov) geschlossen.

 

 

Quellen:

Klatovy:

  • Fröhling, Stefan: Böhmerwald und böhmische Bäder; Verlag DuMont; Köln 1994; S. 89f.