Drei Ausstellungen für Aschenbrödel

2013/14 in Moritzburg, Ctěnice und Švihov

Die beiden Drehorte Schloss Moritzburg und Wasserburg Švihov und das "unbeteiligte" Schloss Ctěnice bei Prag haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen.

 

Vom 5. Oktober bis 2. März ist man auf Burg Švihov "Auf den Spuren von Aschenbrödel", vom 13. Oktober bis 2.März bietet Schloss Ctěnice die bereits bekannte Kostüm-Ausstellung "Wie Märchen angezogen werden" und vom 16. November bis 2. März läuft auf Schloss Moritzburg die große Aschenbrödel-Ausstellung, diesmal unter dem Motto "Aschenbrödel -  ein Mythos?!"

Ausstellung 1: "Auf den Spuren von Aschenbrödel" in Böhmen

Auf Burg Švihov kann man vor allem die großartigen Fotografien sehen, die Frau Butulová damals bei den Dreharbeiten machte. Dazu hat man hübsch dekoriert, einen lebensgroßen Vinzek samt Schlitten aufgestellt und lädt die kleinen Besucher ein, sich zu kostümieren, zu malen oder wie Aschenbrödel Erbsen zu lesen. Außerdem ist ein "Lehrpfad" eingerichtet worden, der die Besucher auch ins benachbarte Mezihoří an den Teich führt, in den Stiefmutters Kutsche kippte. Süße Idee! Hier kann man ein paar Fotos der Ausstellung sehen.

Ausstellung 2: "Wie Märchen angezogen werden" bei Prag

In Schloss Ctěnice findet man die inzwischen zum nationalen Kulturerbe erklärten Kostüme einiger Hauptfiguren tschechischer Märchenfilme und -serien, z. B. aus "Die Märchenbraut". Viele dieser Kostüme waren im letzten Jahr auf Schloss Moritzburg als Teil der Aschenbrödelausstellung zu sehen. Die komplette untere Etage in  Ctěnice soll Aschenbrödel gewidmet sein. "Die Besucher können dort einen Blick in Aschenbrödels Kammer und in die Küche werfen" schreiben die Veranstalter auf ihrer Webseite. Das ist schön, kann aber nicht viel hergeben, denn viele Kostüme sind zur gleichen Zeit in Moritzburg zu sehen, z. B. Aschenbrödels Ball- und Brautkleid, Gewänder des Prinzen und seiner Begleiter, Kleinröschens Kleid, Doras Ballkleid usw. Für Ctěnice bleiben da noch Aschenbrödels und Doras Hauskleider, Aschenbrödels Jagdkostüm u. ä.

 

 

Ausstellung 3: "Aschenbrödel - ein Mythos?!" bei Dresden

Die Ausstellung in Schloss Moritzburg bei Dresden sollte natürlich nicht fehlen. Angeblich ist es die letzte. Vielleicht aber auch nur die letzte in diesem Rahmen. Aber man weiß es nicht, also hin! Hier geht's weiter.

Andere Ausstellungen

Bis 1. Mai 2011 im Augsburger Puppentheatermuseum "die Kiste"

"Stelldichein der Majestäten"

Zitat aus dem Ausstellungskatalog: "Auf 30 Quadratmetern sind Originalkostüme, Requisiten, Fotos und ein Filmbeitrag zum deutsch-tschechischen Märchenkultfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu sehen. Dieser gilt als der beliebteste Märchenfilm aller Zeiten. Er entstand 1973 als Koproduktion der DEFA und den Filmstudios Barrandov. Gedreht wurde in Prag, in Babelsberg und auf Schloss Moritzburg bei Dresden."


Hier könnt ihr die näheren Einzelheiten nachlesen.

 

In der Augsburger Allgemeinen vom 17.11.2010 heißt es dazu: "Und für Kenner befinden sich nun bis zum 1. Mai wahre Filmschätze im Museum in der Spitalgasse. Das Brautkleid Aschenbrödels, das sie auf dem weißen Schimmel trägt, als ihr der hübsche, junge Prinz probeweise den glitzernden Schuh über ihren Fuß zieht. Die bedeutungsvollen Schuhe sind ebenfalls zu sehen, genauso wie die drei Haselnüsse. Aus einem spitzelt das Kleid, eins ihrer drei Wünsche. Und auch Rosalie, die Eule, die auf dem Dachboden all den Kummer der gebeutelten Stieftochter erfährt, ist mit von der Partie. Ausgestopft, aber dennoch blickt sie ebenso verständnisvoll von ihrem Podest herunter wie im Film auch."

 

Meiner Einschätzung nach (gespeist von dem, was man beim ZDF sehen kann) handelt es sich wirklich um mindestens zwei Originalkostüme, die auch schon auf Schloss Moritzburg zu sehen waren und dem Filmstudio Babelsberg gehören, und zwar das Alltagskleid der Stiefmutter und das Wurstärmelkostüm des Königs.

 

Dem Alltagskleid hat man den Ausgeh-Pelz umgehängt und am Königskostüm fehlt nach wie vor der Umhang, aber dafür thront der fiese Fledermaushut auf einem Spiegel. Aschenbrödels Brautkleid kann nur das nachgeschneiderte sein, das sich das Filmmuseum Potsdam mal hat in Barrandov anfertigen lassen. Trotzdem nett geworden!

 

 

 

Märchenfilmausstellung in Potsdam 2007

 

"Märchenland Babelsberg"

 

im Filmmuseum Potsdam, verlängert bis 28. Oktober 2007

 

In der Ausstellung soll man anhand von Motiven aus sieben DEFA-Märchenfilmen den Weg einer Märchen-Hauptfigur selbst nachvollziehen können. Los geht es "zu Hause", d.h. z.B. in Aschenbrödels Küche, dann kommt "der Weg und die Gefahren" - man hat einen stimmungsvollen Wald gepflanzt, in dem z.B. Aschenbrödels Schuppenversteck steht, am Ende winkt "das Glück", ein goldener Thronsaal. Die Ausstellung ist ganz auf Kinder zugeschnitten, alles befindet sich auf ihrer Augenhöhe, Kostüme zum Verkleiden liegen in Kindergrößen an einigen Stationen bereit, alle Knöpfe, Kopfhörer und Gucklöcher sind so tief angebracht, dass Erwachsene sich bücken müssen.

 

Ganz vorn gibt es eine gemütliche Leseecke in dem viele, viele Märchenbücher zum Lesen oder Vorlesen einladen. Hier haben wir auch das Buch "Der König der Zeit" vorgefunden das die deutsche Übesetzung des 3hfa zugrunde liegenden tschechischen Märchens enthält. Gleich die erste Station ist dann 3hfa gewidmet.

 

Auf drei Bildtafeln wird zunächst erklärt, was eine "Koproduktion" ist und welche Vorteile das bringt ("in Babelsberg hätte das Drehteam ewig auf diesen schönen Schnee warten müssen"). Daneben kann man auf einem kleinen Bildschirm Fragmente des Stummfilms "Der verlorene Schuh" von 1924 sehen.

 

Auf der zweiten Tafel wird die Herkunft des Märchenmotivs von Perrault über die Grimms bis zu Božena Nemcová ein bisschen erhellt. Dabei wurde auch nicht vergessen zu erwähnen, dass für den Film viele neue Ideen dazu kamen. Per Kopfhörer kann man sich dann anhören, wie Aschenbrödel in anderen Ländern heißt.

 

Mit der dritten Tafel kann man sein Wissen testen - was sind die Unterschiede zwischen dem Grimmschen Aschenputtel-Märchen und 3hfa? Direkt daneben sind in die Wand Gurte mit Griffen eingelassen, die einen Zoll, einen Meter und eine Elle weit heraus gezogen werden können.

 

Die ganze Zeit während wir die Tafeln genau studierten und uns über die gelungenen Texte und die Mitmach-Angebote freuten (die von den Kindern auch eifrig genutzt wurden), erklang hinter der Wand leise aber deutlich das Aschenbrödel?-Thema. Also gingen wir endlich nach 20 Minuten um die erste Ecke herum. Ein Fenster ist darin eingelassen und man sieht schon die Küche, in der Täubchen darauf warten, dem kleinen Besucher beim Auslesen von Mais, gelben Erbsen und Linsen zu helfen.

 

Auf einer Bildtafel wird die Geschichte des Films nacherzählt und man kann beim Sortieren der Titelmusik lauschen - da kommt Aschenbrödel-Feeling auf!

 

Ähnlich sind auch die anderen sechs Märchen präsentiert. Jedes hat eine Nische, in der Requisiten (manchmal Originale, wie z.B. Stiefmutters Spiegel) aufgebaut sind, man etwas nachahmen, lesen, anschauen, Knöpfe drücke oder andere Dinge tun kann. Immer wird dabei ein bisschen vom Film erzählt und ein bisschen erklärt. So erfährt man, warum Schneewittchens weiße Haut etwas besonderes war, wie ein Turban gebunden wird oder wie ein Steinschloss-Feuerzeug funktioniert.

Bevor es dann in den dunklen Wald geht, kann man einen langen Filmausschnitt von jedem der sieben Märchen sehen. Es gibt mehrere solcher Fernsehecken und möglicherweise (wir haben es nicht ausprobiert) kann man den größten Teil oder vielleicht sogar den jeweiligen Film ganz gucken, wenn man nur lange genug sitzenbleibt und bei jeder Station auf den gleichen Knopf drückt.
Vor dem Wald verabschiedet der goldene Fisch aus "Das Singende klingende Bäumchen den Wanderer durch das Märchenland und dann wird es finster. Mitten im Wald wohnen die 7 Zwerge (sind aber nicht zu Hause) und der Wolf mit Rotkäppchens Großmutter im Bauch. Wer sich hier nicht die Zöpfe und das rote Käppchen aufsetzt und ein lustiges Foto macht, ist selber schuld. Einige große Bäume kann man betreten, aber Vorsicht, der Wald ist voller Gefahren! Fast am Ende des Waldes steht Aschenbrödels Schuppen mit Rosalie und dem nächsten Bildschirm.

Schließlich gelangt man in den Thronsaal. Hier werden nochmal alle sieben Märchen auf großen Fahnen präsentiert. Um das singende klingende Bäumchen klingen zu lassen, kann man Tasten drücken, man kann sich auf dem Thron ausruhen, die Kinder können dazu auch königliche Kleidung überziehen, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde, Aschenbrödels Ballkleid wurde detailliert nachgeschneidert und in einem dicken Buch sind viele Details der einzelnen Märchen nachzulesen. Außerdem warfen einige Besucher mit Bällen, äh, ich meine Wackersteinen auf den Bauch des Wolfs. Dazu erklingt die ganze Zeit Aschenbrödel-Musik.

 

 

Das schönste aber ist offenbar für die kleinen wie für die erwachsenen Besucher die letzte Filmecke, in der? auf goldenen Schemeln sitzend alle sieben Film-Finale ausgiebig genossen werden können. Während die Kinder von der Handlung völlig beansprucht wurden, hörte man von den Erwachsenen manchen nostalgischen Seufzer.

 

Die in der Ausstellung gezeigten Stücke sind was 3hfa angeht alle nicht original aus dem Film. Die Küche wurde liebevoll nachempfunden, der Schuppen mit Rosalie und dem Schmuckkästchen sind ebenfalls nachgebaut und auch das Kleid ist von Barrandov nachgeschneidert worden.

Aber so ist das ja auch gar nicht gedacht. Die Ausstellung will keine nostalgische Schau von Originalrequisiten sein, sondern zum Mitmachen und Einfühlen anregen. Und das ist unserer Meinung nach wirklich gut gelungen. Die Meinung anderer Leute könnt ihr im Forum nachlesen.