3hfa wird 50!

Der beste Film der Welt wird in diesen Monaten 50 Jahre alt! Zeit zu feiern und ein paar Dinge Revue passieren zu lassen...

Vom Kinderfilm zum Dauerbrenner - die ersten 50 Jahre

Diesen Monat vor 50 Jahren

November 1972 - Das deutsche Drehbuch entsteht

Die Kooperation mit der DEFA stand, nun mussten noch Details geklärt werden. Frisch von der Filmhochschule wurde Hannelore Unterberg als Regieassistentin engagiert und damit beauftragt, aus einer grob übersetzten Fassung das deutsche Drehbuch zu schreiben.

 

Das tschechische Drehbuch stammte aus der Feder von Dr. František Pavlíček. Er hatte sich im Prager Frühling engagiert, 1968 und 1969 auch als Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Als 1970 nach der gewaltsamene Niederschlagung des Prager Frühlings die „Normalisierung“ begann – eine freundliche Umschreibung für Zensur, Auflösung missliebiger Organisationen und anderer repressive Maßnahmen - durfte Pavlíček nicht mehr als Drehbuchautor arbeiten, seine Werke wurden verboten, er musste sein Brot als Lager- und Hilfsarbeiter verdienen. Nach der Unterzeichnung der Charta 77 wurde er, ebenso wie Václav Havel und viele andere, verhaftet. Wie Vorlíček sich erinnert, hat man versucht, ihn künstlerisch und auch existenziell zu vernichten. Einige seiner Rundfunkhörspiele, Filmdrehbücher und Fernsehspiele konnten damals nur unter den Namen verschiedener anderer Autoren umgesetzt werden. Bei 3hfa übernahm das Bohumila Zelenková.

Václav Vorlíček kannte schon zu Beginn der Arbeiten den Namen des wahren Autoren, tat jedoch, als wüsste er nichts davon. Wenn Änderungen am Drehbuch zu besprechen waren, lief das über Frau Zelenková, die das Drehbuch zuvor auch noch einmal in eigenen Worten geschrieben hatte, damit es auch vom Schreibstil her wirkte, als sei es von ihr.

 

Vorlíček Änderungen gingen aber tiefer. Schon Pavliček hatte Aschenbrödel – ganz im Gegensatz zur tschechischen Märchenversion – als eher selbstbewusstes Mädchen beschrieben, doch Vorlíček hob das noch mehr hervor. Als Jahre später Pavliček und Vorlíček einander einmal begegneten, soll Pavliček sich anerkennend über Drehbuchänderungen ausgesprochen und gemeint haben, dass Vorlíček das Skript noch verbessert habe.

 

Rolf Hoppe 2009 (von Thomas Bauer)
Rolf Hoppe 2009 (von Thomas Bauer)

Die Kofinanzierung durch die DEFA hatte auch die Vereinbarung zur Folge, dass die Rollen von König und Königin, sowie der Stiefmutter mit deutschen Schauspielern besetzt werden sollten. Um Vorlíček einen Eindruck der ihm möglicherweise unbekannten deutschen Darsteller zu geben, suchte Regieassistentin Hannelore Unterberg passende Stellen aus deutschen Filmen, schnitt sie zusammen und legte sie dem Regisseur vor.

 

Im Fall von Rolf Hoppe, war das gar nicht nötig, denn der Regisseur kannte Hoppe als Bösewicht aus den ostdeutschen Indianerfilmen. „Er hatte so unschuldige, blassblaue Augen“, fand Vorlíček. Doch obwohl das Äußere bis heute überzeugt (auch wenn der Bart damals angeklebt war), hat Hoppe während des Drehs wohl häufig die Befürchtung gehabt, dass seine Rolle zu komisch angelegt sein und der König sich lächerlich machen könnte. Er wollte einiges anders spielen, als der Regisseur. Karin Lesch – die Königin – konnte ihn überzeugen, dass es hier um einen Vater ging, der vergessen hatte, dass er auch einmal jung war.

 

Frau Unterberg hatte inzwischen auch schon ihr erstes ganz eigenes Projekt: Konzert für Bratpfanne und Orchester. Die Zusammenarbeit mit den Tschechen war so gut, dass Ota Hofmann ihr sagte: „Wenn Sie es bei der DEFA nicht machen dürfen, dürfen Sie das bei uns drehen.“ Von diesem Angebot hörte auch die DEFA, was dazu führte, dass Frau Unterberg ihr Projekt in der DDR am besten sofort machen sollte. Deswegen wurde sie von 3hfa abgezogen, und durch Peter Bohnenstengel ersetzt. Sie musste sogar unterschreiben, dass ihr Name nicht im Abspann auftauchen wird.

 

Von Herrn Bohnenstengel sieht man im Film aber nicht nur den Namen, sondern auch ihn selbst, denn als der Kavalier, der Dora zum Tanz führen sollte, ausfiel, musste Herr Bohnenstengel eingspringen. Der schlaskige junge Herr in schwarzer Robe, der Dora auffordert, ist kein geringerer, als der deutsche Regieassistent!

 

Frau Unterberg startet derweil ihre Karriere bei der DEFA und wurde eine bekannte Dramaturgin. An den Winter in Prag erinnert sie sich immer noch gern zurück, vor allem an die freundliche und partnerschaftliche Atmosphäre zwischen ihr – der „einfachen“ Angestellten - und den Entscheidern, u. a. Ota Hofmann und Václav Vorlíček, die sogar zu ihr ins schwimmende Hotel kamen, um sich ihre Vorschläge über Besetzung, Drehorte und Probeaufnahmen anzuhören. Manchmal saß man zehn Stunden zusammen, aber in der Rückschau fühlte es sich gar nicht wie harte Arbeit an, sondern als Teil des Lebens, so Frau Unterberg. Und das merke man dem Film auch an.

Oktober 1972 - Der Winterdreh wird beschlossen

Für 3hfa hatten die Barrandov-Studios etwa 4 Millionen Kronen eingeplant. Das würde, da war sich der Regisseur Václav Vorlíček sicher, nicht reichen. Ota Hofmann fragte bei der DEFA an, und dort zeigte man sich überraschend schnell zur Kooperation bereit. Das Drehbuch wurde ins Deutsche übersetzt und im Oktober 1972 trafen sich die Leitung des staatlichen tschechoslowakischen Filmamtes mit dem Direktor Jiří Purš und eine Abordnung der ostdeutschen DEFA ebenfalls mit ihrem Direktor Albert Wilkening, in Prag, um die Details zu besprechen. Das Drehbuch sah einen Film vor, in dem Aschenbrödel durch blühende Wiesen und an plätschernden Bächen vorbei reiten sollte.

 

Die deutsche Delegation musste, so erinnert sich Vorlíček, erst mal überzeugt werden, dass es hier NICHT um die Version der Gebrüder Grimm ging. Dann wünschte sich Herr Wilkening auch noch, die deutschen Filmstudios im Herbst oder Winter zu nutzen, um seine Studioarbeiter in den flauen Monaten beschäftigen zu können. Dafür bot er auch an, den Ballsaal und noch ein weiteres Set in Deutschland zu bauen. Das gefiel natürlich den tschechoslowakischen Vertretern, die sich ausrechneten, damit Geld sparen zu können. Wilkening weiterhin: Man könne ja im Anschluss drei, vier Monate warten und dann im Frühling die Außenszenen drehen.

Das konnte sich hingegen Vorlíček nicht vorstellen. Die Hauptdarsteller waren jung, ihre Gesichter könnten sich verändern, es könnte ein Unfall oder eine Schwangerschaft dazwischen kommen, nein, monatelang warten wollte er nicht. Und außerdem fiel ihm ein Winterbild seines Lieblingsmalers Pieter Brueghel ein, und er setzte sich mit der Idee durch, nach Abschluss der Studioarbeiten gleich die Außenszenen auf Schloss Moritzburg und im Anschluss im Böhmerwald und auf Burg Švihov zu drehen. Das würde – so war Vorlíček überzeugt – dem Film ein ganz neues und interessantes Flair verleihen.

 

Und so kam es!

 

Weil das aber alles erst zwei Monate vor Drehbeginn beschlossen wurde, hatten die tschechoslowakischen Barrandov-Studios die Kostüme schon fertig - die Sommerkostüme. Schnell noch ein Mäntelchen hier, ein Fellstreifen da angebracht - dass man in ein paar Wochen tagelange Außenaufnahmen bei minus 20 Grad machen würde, das ahnte niemand im Oktober vor 50 Jahren.