Rückschau 2002

Freundlicherweise haben die meisten Dritten Programme, der KiKa und die ARD auf meine Anfrage geantwortet, wann denn dieses Jahr 3hfa im Fernsehen kommt. Wobei die ARD zwar leider einen negativen Bescheid geben musste, aber so freundlich war, mich darauf hinzuweisen, dass man den Film im Handel kaufen kann. Nochmals Danke an alle!

 

Am 8.12. ging es schon los, da kam 3hfa nämlich im KiKa als Sonntagsmärchen - die Saison war eröffnet. Auf Wunsch gab es bald darauf ein Forum, in dem sich die Fans über ihre Kindheitserinnerungen (und anderes) austauschen können.

Am vierten Advent zeigte der ORB unseren Film, zum Weihnachtsbaumschmücken am Nachmittag des 24.12. der BR und abends folgte die Riesen-Überraschung: der WDR hatte den Film aufgefrischt und die Titel geändert - plötzlich konnte man alles lesen und erkannte verblüffende Details, so z.B. dass Doras grünes Stirnband (an dem ein Haarteil befestigt ist, wenn ihr mich fragt ;-) ein Muster hat, dass Aschenbrödels Rock breit quergestreift und der Pelzkragen-Mantel der Stiefmutter dunkelgrün ist.

 

Wahnsinn. Verantwortlich für diesen richtigen Schritt zeichnet Matthias Körnich, Redakteur beim Kinderfernsehen WDR, dessen Entscheidung es war, den Film überarbeiten zu lassen (klasse Idee, Herr Körnich!!). Getan wurde das gute Werk in der Gürtler Multimedia GmbH / Videotechnik 16 C.A. Stachelscheid GmbH in Neuss. Der Colorist und Leiter Postproduktion Herr Winfried Roths schreibt auf meine zahlreichen Fragen eine sehr nette Antwort der man deutlich anmerkt, dass hier ein Fan selbst tätig war:

 

"Es freut mich sehr, daß Ihnen die Neubearbeitung des Films "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" so gut gefallen hat. Da ich diesen Film ebenfalls sehr mag und schöne Kindheitserinnerungen mit diesem Film verbunden sind, war ich sehr erfreut, als uns der WDR Anfang November den Auftrag zur Neubearbeitung erteilte.

 

Der WDR stellte uns eine sehr stark strapazierte 35mm-Kino-Kopie in der tschechischen Originalfassung zur Verfügung. Diese Kopie wurde mit einer ersten Farbkorrektur über einen CCD-Filmabtaster abgetastet; d.h. die Bildinformation wurde in digitale Video-Daten umgewandelt und auf Festplattensystemen gespeichert.


Diese Daten sind die Grundlage für die weitere Bildbearbeitung:

- Während der digitalen Bildretusche wurden störende Verschrammungen, Filmrisse, Schmutzpartikel, entfernt. Dies geschieht nicht automatisch, es gibt keine Systeme die zufriedenstellend alle Störungen erkennen und beseitigen. Hier ist viel "Handarbeit" angesagt, und geschieht in mehreren Durchgängen. Da "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" sehr beschädigt war, hat die Retusche bereits 18 Arbeitstunden in Anspruch genommen.

 

-Während der digitalen Farbkorrektur wird der eigentliche Bildeindruck festgelegt. Die Farben werden möglichst genau den Originalfarben angepasst. Filmkopien haben leider die Eigenschaft über die Jahre hinweg zu "altern". Die Farbstoffe innerhalb der Farbschichten einer Kopie sind nicht stabil und verblassen mit der Zeit dramatisch. Das ist ein großes Problem der Filmindustrie und von Filmhistorikern. Viele bedeutende Farbfilme aus der Zeit vor 1970 sind schon hoffnungslos verloren. Der Zustand von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" war bereits bedenklich.


Die Farbkorrektur ist ein rechnergestütztes System und bietet die Möglichkeit, Video-Daten in sehr vielen Parametern zu beeinflussen. Entscheidender Unterschied zur Bildbearbeitung am Computer ist die Möglichkeit zur Bearbeitung von bewegtem Bild, dynamischen Korrekturen innerhalb einer Szene und der Echtzeitwiedergabe von Korrekturen.

 

Um Farben originalgetreu zu rekonstruieren sind Original-Set-Fotos natürlich sehr hilfreich; leider hatte ich von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" keine Fotos zur Verfügung und es waren auch keine aufzutreiben. Der endgültige Farbeindruck der Neubearbeitung enstand daher aus einem Zusammenspiel von Erfahrung im Umgang mit älteren Filmen und dem persönlichen Gefühl für eine Farbstimmung.


Für "Drei Haselnüsse..." war eine sehr aufwendige Korrekur notwendig und hat etwa drei Arbeitstage gedauert. Während der Ausstrahlung der Neubearbeitung hatte ich allerdings den Eindruck, als wenn ein Teil der Farbigkeit auf dem Sendeweg verlorengegangen sei; eine DVD der Neubearbeitung würde erst die volle Brillanz der Farben zeigen.

 

Der Auftrag zur Neubearbeitung wurde durch den WDR erteilt; in der Regel werden allen Sendern der ARD jeweils die neueste Bearbeitung eines Films zur Verfügung gestellt.Ich befürchte, diese Fassung wird nicht als DVD zu kaufen sein; meines Wissens hat eine andere Firma die Lizenz zur DVD-Vermarktung."


Soweit die ausführliche und auch für Laien verständliche Beschreibung der Filmüberarbeitung. Herr Roths war darüber hinaus so freundlich, ein paar Vorher-Nachher-Screenshots bereitzustellen (s.o.). Nochmals vielen Dank an Herrn Körnich und besonders an Herrn Roths! Im nächsten Jahr werden sicher wieder viele Fans dem WDR treu sein.