Das vollständige Interview vom 29.10.2005 mit Frau

Hannelore Unterberg
1. Regieassistentin bei 3hfa

 

Personalien geb. Neupert
*28.12.1940 in Altenburg/Thüringen
Ausbildung Institut für Musikerziehung Berlin,
Musikpädagogenabschluss
Regiediplom an der HFF Konrad Wolf Potsdam- Babelsberg
Karriere 1972 - 1991 DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg

Preise / Auszeichnungen

Grand Prix der UNIATEC | Int. Religiöses Festival (Preis der Jury der Religionen) | Int. Umweltfestival Moskau (1. Preis zum Thema Tschernobyl) | diverse Auszeichnungen für Kinderfilme
1976 Grand Prix Filmfestspiele Moskau
1985 Goldener Spatz Int. Kinderfilmfestival Gera
1985 Preis der Jugend Filmfestspiele Moskau
1993 Preis der Jury der Religionen Int.Religiöses Festival
1995 1. Preis Int. Umweltfestival Moskau
Filme

1970 Der Mann und der kleine Junge (TV) (als Hannelore Neupert)
1971 Von einem, der auszog, das Lügen zu lehren (als Hannelore Neupert)
1972/1973 Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Drehbuch)
1973/1974 ...verdammt, ich bin erwachsen (Assistenz-Regie)
1974/1975 Konzert für Bratpfanne und Orchester (Regie)
1978 Ein Mädchen aus Schnee (Regie, Drehbuch)
1983 Isabel auf der Treppe (Regie, Drehbuch)
1984/1985 Der Junge mit dem großen schwarzen Hund (Regie, Drehbuch)
1986 ...und ich dachte, du magst mich (Regie, Drehbuch)
1988 Verflixtes Mißgeschick! (Regie, Drehbuch)
1990 Der letzte Winter (Regie)
1992 "Achterbahn" (TV Serie; Regie
1996 Ein Bernhardiner namens Möpschen (Regie)

 

"Ich habe Ihre mail gelesen und wollte erst schreiben, aber so kommt die Begeisterung gar nicht richtig rüber. Ich kann mich noch genau daran erinnern, es war eine tolle Zeit. Ich hatte gerade die Filmhochschule abgeschlossen und wurde gleich 1972 eingeteilt als Regieassistentin für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Ich durfte das allerdings nur zum Teil machen, weil ich inzwischen schon ein eigenes Projekt hatte. Statt meiner wurde später ein anderer Regieassistent beigegeben – Bohnenstengel – so dass ich an meinem eigenen Projekt arbeiten konnte.

Es war wunderbar. Ich war mehrere Male in Prag. Ich war in einem Botel untergebracht und dorthin kam der Drehstab. Sie kamen zu mir, obwohl ich die jüngste und unerfahrenste war. Tagelang haben wir da gesessen, Václav Vorlíèek, Ota Hofmann, und - ich weiß nicht mehr, wie die Frau hieß, also der ganz kleine Stab erst mal und haben Fragen diskutiert und ich durfte dann Vorschläge machen in Deutschland für Burgen, Schlösser, Schauspieler, Besetzung, Probeaufnahmen vorschlagen und sonstiges.

Später habe ich das grob übersetzte Drehbuch bekommen und habe die deutsche Fassung geschrieben. Ich glaube, ich habe bestimmt drei verschiedene Fassungen gemacht. Schade, das war ja damals zu DDR-Zeiten, ich musste unterschreiben, dass ich nicht auf dem Abspann sein möchte, und habe dann in etwa 300 Mark bekommen, wenn ich mich richtig erinnere."

„Und Sie haben Vorschläge gemacht zu den Dreohrten und zu den Schauspielern, also auch, dass Herr Hoppe und ... ?"

"Ich bin also losgezogen, das ist ja schon eine Weile her, und habe Fotos gemacht von verschiedenen Burgen. Rolf Hoppe habe ich damals vorgeschlagen, dass weiß ich genau, ich hatte auch verschiedene Prinzessinnen, aber da ist ja dann die schöne Tschechin genommen worden, ja so verschiedene Assistentenaufgaben."

„Herr Hoppe ist ja dann auch tatsächlich genommen worden."

„Ja. Ich glaube, wenn ich mich recht erinnere war der auch irgendwie ziemlich neu damals. Das ist ja doch schon eine Weile her, aber ich weiß ganz genau, was ich wirklich gemacht habe. Parallel dazu habe ich an meinem Buch geschrieben „Konzert für Bratpfanne und Orchester“, darüber haben wir bei unseren Besprechungen in Prag auch fantasiert. Ota Hofmann hat gesagt, wenn ich das bei der DEFA nicht machen darf, darf ich das bei ihnen drehen. Doch gerade dadurch ging es letztlich so schnell, in dem Fall durfte ich das dann in der DDR machen denn es sollte nicht in der CSSR gedreht werden."

„Das ist ja klasse."

„Ich habe natürlich im Nachhinein – ich hätte das sowieso nicht beeinflussen können – habe ich das sehr bedauert, dass ich diesen Film nicht bei den Tschechen gemacht habe. Mein Film war zwar sehr erfolgreich, aber ich wollte eine ganze Serie daraus machen Leider war unser neuer Studiendirektor nicht so. Er sagte, er will mich nicht zum Experimentator des Studios machen, es war schade, denn das ist eigentlich die Strecke gewesen, die ich sehr sehr gerne weitergemacht hätte.

Ich bin sehr viel Umwege gegangen und habe auch ein Schulkmusikstudium vorher abgeschlossen. Danach wollte ich gern Musik und Film verbinden. Und das wäre sicher nicht unattraktiv geworden. Denn ich habe dann nach der Wende erfahren, als ich in der Jury war in Frankfurt am Main, dass dieser Film, Konzert für Bratpfanne, in Schweden ein ganzes Jahr lang ein Renner war, das wusste ich gar nicht. Ich wusste, dass es verkauft worden ist, aber irgendwelche Informationen habe ich natürlich nicht bekommen."

„Nein? Ich habe eben gedacht, dass sie in Schweden vielleicht mal eingeladen worden wären, zu irgendeinem Festival oder so."

„Ich war des öfteren z.B. auch nach Spanien mit einem anderen Film eingeladen, und in weitere Länder, aber ich hatte absolutes Reiseverbot, ich dufte nicht raus. Deshalb kann es durchaus sein, dass es eine Einladung gegeben hat, die ich gar nicht bekommen habe, die gar nicht auf meinem Tisch gelandet ist."

„Da ist schade."

„Ja, das ist sehr schade, und es ist auch für mich nach der Wende sehr schade gewesen, denn ich habe immer wieder gemerkt, Filme von mir kennt man, aber man bringt mich nicht damit in Verbindung, und das ist einfach traurig, nicht?"

„Ja, denn das hätte Ihnen ja sicherlich auch noch ganz andere Möglichkeiten eröffnet."

„Das wäre wirklich sehr gut gewesen. Z.B. „Isabell auf der Treppe" ist bei dem ersten Österreichischen Festival der Eröffnungsfilm gewesen und hatte sehr viel Beifall. Ich habe davon aber nur die Presse über x Umwege bekommen und dorthin durfte ich natürlich auch nicht fahren."

„Tja, das ist schon traurig, finde ich."

„Ja, das ist sehr traurig, weil da ne ganze Menge kaputt gegangen ist, eigentlich so sinnlos."

„Auch Möglichkeiten, die Ihnen verbaut wurden."

"Genau. Aber an die drei Haselnüsse erinnere ich mich sehr, sehr gern. Wir hatten teilweise im Studio auch sehr gute Arbeitsmöglichkeiten im Vorfeld, die Filme wurden ja viel besser vorbereitet, als jetzt. Aber bei den Tschechen, das war - ich meine wir saßen manchmal acht, zehn Stunden zusammen, es war gar keine Arbeit. Da verband sich so, ja, das Leben mit dem Film. Und das merkt man auch dem Film an.

„Ja, das merkt man dem Film sehr an. Deswegen liebe ich ihn ja so."

"Außenstehende, die uns vielleicht gesehen haben in diesem Botel, die haben sich sicher gesagt „Die essen den ganzen Tag und trinken und machen nix“, aber am Abend war viel rausgekommen."

„Das ist ja auch ein kreativer Prozess, den man nicht unbdingt sieht. Und wie lange waren Sie daran beschäftigt? Bis man Sie dann abgezogen hat?"

„Ein Vierteljahr ungefähr."

„Herr Vorlicek sagt ja, dass es seine Idee gewesen ist, dass das alles im Winter gespielt hat."

„Ja, das stimmt."

„Und haben Sie denn Moritzburg vorgeschlagen?"

„Moritzburg habe ich auch vorgeschlagen."

„Gab es noch andere deutsche Drehorte?"

„Ach, dass weiß ich nicht mehr. Wissen Sie, ich hab jetzt grade die mail gelesen und das ist ja nun schon so lange her, Moritzburg weiß ich ganz genau, mein zweiter Vater war auch Museumsdirektor und hat mir natürlich auch etliche Tipps gegeben."

„Ihr Vater war in Moritzburg Museumsdirektor?"

„Nein, nein, der war in Altenburg am Staatsmuseum."

„Ah ja, wo Sie her stammen."

„Ja, da war er, aber ich hab irgendwo verkramt irgendwelche Unterlagen, aber das ist schon lange her -."

„Ich finde es total klasse, dass Sie gleich zurückgerufen haben!"

„Nein, also weil es mir so einen Spaß gemacht hat und da habe ich mir gedacht, dass überträgt sich ja gar nicht, wenn ich Ihnen das schreibe."

„Super, das finde ich total toll! Darf ich Sie denn zitieren auf meiner Webseite?"

„Ja, gerne. Und woran arbeiten Sie?"

„Also ich bin eigentlich hauptberuflich Lehrerin das hat also mit Aschenbrödel gar nichts zu tun."

„(lacht) Oh, ich weiß eine Geschichte, ich bin, wie gesagt, sehr viele Umwege gegangen. Meine Mutter war mit drei Kinden allein, mein Vater war nach dem Westen gegangen - der Westen hat bei mir immer wieder eine Rolle gespielt - und da landete ich ohne Ausbildung in einer Zentralschule, also einer Dorfschule, in die aus zehn Dörfern die Kinder hinkamen. Dort habe ich Musik unterrichtet und alles, was so anfiel. Ich hab ein Fernstudium gemacht, aber, naja gut. Ich war sehr jung, erst 17, als ich da anfing und musste alle Kulturgruppen, Laienspiel und Kabarett und Orchster und alles unterrichten.

Einmal haben wir Dornröschen gespielt. Da gab es einen Jungen, der stotterte, und der wollte so sehr gern mitspielen. Ich habe immer gedacht, um Gotteswillen, wenn wir öffentlich auftreten, mit dem -. Und dann kam er dran und hat gesagt: „Da-das F-Festmahl ist errichtet, die K-Königin e-erwartet Euch!" Da war jedesmal Beifall, weil das Publikum dachte, der Koch spricht eben so. Der Junge hat ein solches Selbstbewusstsein bekommen, das kann man sich nicht vorstellen. Ja, den sehe ich immer noch vor mir, mit seine Ankündigung (lacht). Die Leute haben gedacht, das muss so sein und ich habe es einfach nicht fertig gebracht, diesen Jungen auszuschließen.

Ja, ich hatte großes Pech. Als ich im DEFA-Studio anfing, war Professor Wilkening Direktor, der später aus Altersgründen selber in Ruhestand gegangen ist. Er hat sich immer kundig gemacht, was ich gemacht habe und hat mir auch geschrieben und mich beglückwünscht. Wenn dieser Mann dageblieben wäre, wäre es bei mir normal weiter gegangen. Aber es kam ein neuer Direktor, der hat sich gleich zum Generaldirektor ernannt und –„

„Wer war das?"

„Mäde."

„Ach, der Mann von Karin Lesch?"

„Hans Dieter Mäde, und wir beide konnten nicht miteinander."

„Hat der denn die Karin Lesch bei dem Aschenbrödel-Film auf den Posten der Königin erhoben ?"

„Das weiß ich nicht."

„Der Zusammenhang ist ja jetzt sehr frappierend."

„Nein, er war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Generaldirektor. Ich weiß nicht mehr, ob er aus Karl-Marx-Stadt kam oder Dresden, aber jedenfalls, nein, das könnte er nicht gewesen sein, denn da war noch Professor Wilkening Direktor. Der war es während meines ersten Films – es war sehr, sehr schade, dass der weggegangen ist."

„Herr Mäde war ja auch lange Direktor, nicht? Ich glaube, bis zu Wende hin."

„Jaja und, wir beide – ich bin nicht in die Partei gegangen und er hat immer zu mir gesagt „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns." "

„So kann man nicht arbeiten."

„Ich habe natürlich weiter gearbeitet, aber es ist so schön, wenn man für sich eine Strecke gefunden hat, vor allem, wenn man in einem Studio arbeitet, in dem vorwiegend Männer sind. Wir waren mal drei Frauen und zuletzt war ich noch die einzige Frau unter 39 Männern. Das war gar nicht so einfach. Und da ist es immer gut, wenn man eine ganz bestimmte Strecke hat, die ein anderer gar nicht beackern möchte."

„Sie haben ja dann mit der Kinderfilmrichtung auch weiter gemacht. Und später auch die Dokumentation über die Herderschule gedreht."

„Heutzutage hängt es ja nun auch immer an dem Geld und nun bin ich auch eben nicht mehr die Jüngste und kann genug Gründe finden, keine Arbeit zu vermitteln oder keine Arbeit zu bekommen, da fällt mir natürlich auch der Kinderfilm auf die Füße. Ich höre immer wieder Kinder rechnen sich nicht aber ich finde, ich bin ja für alles ausgebildet. Die Hochschule war ja immer seht gut. Ich wurde dort für Regie ausgebildet und nicht für Kinderfilm. Das habe ich dann selber gewollt und mir immer mehr angeeignet.

Aber inzwischen fällt mir diese Entscheidung auf die Füße. Ich habe für die MDF einen 90 Minuten-Film fürs ZDF gemacht. Dort wusste man gar nicht, dass ich Kinderfilm gemacht habe. Man wollte mir einen Polizeiruf geben, den habe ich letztlich aber doch nicht bekommen, mit der Begründung, ich hätte ja vorwiegend Kinderfilme gemacht. Dabei ist das ganz erholsam, wenn man erwachsene Schauspieler hat. Kinder muss man ja ununterbrochen bei Laune halten, ihnen was vorspielen, usw."

„Als Publikum sind Kinder auch anstrengender, als Erwachsene. Anspruchsvoller auch sicherlich."

„Ja, und das ist ja auch schön, es ist wirklich sehr sehr schön. Wir haben es mit unserer Ausbildung sehr gut gehabt. Z.B. Schauspielerführung, da hatte ich Praktikum am deutschen Theater und Professor Heiden war mein Mentor, das war natürlich toll."

„Und wie war das in der Ausbildung? Sie sagten eben, Sie waren letztlich noch die einzige Frau unter 39 Männern. War das Verhältnis in der Ausbildung ähnlich, haben eher weniger Frauen diesen Beruf ergriffen?"

„Wir waren sehr wenig Studierende an der Filmhochschule. Dort wurden bewusst wenig Leute ausgeblidet, damit man auch Arbeit hatte am Ende. Ich hatte schon zwei Jahre gewartet, zwei Jahre wurden dort überhaupt keine Regiestudenten ausgebildet. Dann wurden 200 geprüft und 12 genommen und am Ende waren wir noch 7, da war ich auch die einzige Frau. Anfangs waren wir drei Frauen. Es ist ja auch ein schwerer Beruf, körperlich sehr anstrengend. Wegen der langen Arbeitszeit. Hier nach der Wende habe ich erst gemerkt, dass vieles von der Produktion weggenommen wird. Aber wir sind so ausgebildet,und so haben wir auch gedreht, dass wir wirklich für alles verantwortlich sind, für alles den Hut aufhaben, also bis zur letzten Mischung, ach, nach der Mischung noch, die Kopien beurteilen und so."

„Waren Sie denn auch für organisatorische Dinge zuständig?"

„Nein. Das nicht. Aber das ging ja los, das Szenario, da haben wir natürlich das Drehbuch zu geschrieben, und auch die Leute alle gesucht, ob das nun Kostüm, Maske, Kameramann, naja, alles was dazu gehört und dann mit ihnen zusammengesessen und entworfen und gemacht. Das kriegt man ja jetzt teilweise aus der Hand genommen."

„Das Originaldrehbuch soll von Frantisek Pavlicek gewesen sein. Den haben Sie aber nicht kennen gelernt?"

„Nein. Ich weiß es nicht. Wir saßen ja mit mehreren zusammen und ich habe überlegt, also da waren Herr Vorlíèek und Herr Hofmann und da war eine Frau, die Dramaturgin –„

„Zelenkova?"

„Ja. Und – weiß ich nicht. Der muss an sich dabei sein, der Drehbuchautor."

„Der hat das Skript wohl 68 geschrieben, oder noch früher und ist nach 1968 in der damaligen CSSR geächtet worden."

„Achso, deshalb, denn ich erinnere mich nur an die Dramaturgin und den Ota Hofmann."

„Die Dramaturgin hat das als ihr Werk ausgegeben, offiziell, sonst, sagt Vorlicek, hätte man den Film gar nicht machen können, wenn der falsche Name drauf gestanden hätte."

„Naja, ich hab das auch damals gar nicht überblickt, dass ich unterschreiben musste, nicht auf dem Abspann zu stehen. Ich dachte, naja, OK. Unsere Filmhochschule ist aber sehr gut geblieben. Sie hat einen guten Namen. Wir hatten ja auch tolle Leute. Wir hatten - wie hieß sie denn nun die Dramaturgin von Brecht - Ulrike Weiler. Und da wir nur 12 Leute im Seminar waren und die meiste Zeit unter acht weil ein Teil immer drehte oder im Praktikum war – wir hatten Theaterpraktikum, Rundfunkpraktikum, Fernsehpraktikum – und so waren wir meistens nur so drei, vier Personen. Man war ja immer weg, das war auch nicht so gut, aber am Ende haben wir eine Menge gelernt. Natürlich auch „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" . Ein Schauspielstudent hat eine fünf gekriegt, das war einer der Wolf-Söhne, also nicht von Konrad Wolf, sondern ein Schauspieler Wolf, der ist geext worden, weil er in Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung mit einer fünf ankam."

„Wie lange dauerte das Studium?"

„Normalerweise vier Jahre und ich hatte noch ein halbes Jahr drangehängt, weil ich als einzige noch einen Spielfilm gemacht habe, das heißt, 50 Minuten nur, nicht 90. Ich wollte das einfach probieren, denn zur damaligen Zeit konnte man als Diplomfilmer nur Dokumentarfilme machen. Ich habe diese Zeit also noch drangehängt. Dadurch bekam ich auch das beste Angebot. Ich hatte eine Planstelle beim Fernsehfunk für „Polizeiruf 110 – der Staatsanwalt hat das Wort" , habe das aber nicht gemacht, weil ich unbedingt Kinderfilm machen wollte.

Das ist das Irre: ich habe jetzt diesen Polizeiruf nicht gekriegt, weil ich nur Kinderfilme gemacht habe. Damals, als ich überhaupt noch keinen Film gemacht hatte, hätte ich eine Stelle gehabt und jedes Jahr ich weiß nicht wie viele Polizeirufe gemacht."

„So schließt sich der Kreis. Das gibt es nicht. Und dann sind Sie direkt eingeteilt worden, um nach Tschechien zu fahren?"

„Ja. Also das war toll. Richtig herrlich."

„Wissen Sie noch, wann das war, im Sommer oder im Winter '71?"

„Das weiß ich noch, das war im Winter. Ich hab hier mal nachgeguckt, '71 hab ich nicht da. Manchmal habe ich auch Tagebuch geschrieben, aber, hier, warten Sie mal, das ist '72, und das war im November."

„Im November 72. Dann ging ja alles unheimlich schnell, denn der Film ist im November 73 schon angelaufen in Prag."

„Im November, ja. Und hier steht: Aschenbrödel bis Mai – tja, und mehr habe ich da nicht aufgeschrieben. Aber im November war es, ich weiß das noch, weil ich für meinen Jungen für Nikolaus etwas aus Prag mitgebracht habe. Da gab's lustigere Sachen als das traurige Zeug bei uns."

„Die müssen ja im Winter gedreht haben, dass muss ja dann ziemlich zügig gegangen sein."

„Ja. Das ist so ein schöner Film geworden. Ich hatte vorhin gerade überlegt, ich weiß, dass ich mir da Gedanken gemacht hatte über die Namen für die Pferde. Ich glaub, ich hab ein Pferd Kasperle genannt."

„Das war der kleine Hund."

„Kasperle habe ich den Hund genannt – also irgendwas habe ich Kasperle genannt. Da hatte ich auch Freiheit, wie die Tiere im Deutschen heißen sollen. Wie gesagt, das wäre schön gewesen, wenn ich meinen ersten Film dort gemacht hätte. Ich kann mich zwar nicht beschweren, aber im Nachhinein - der Film ist einfach brilliant."

„Vor allem weil Sie ja auch scheinbar recht weit reichende Entscheidungen getroffen haben am Anfang, die so auch umgesetzt worden sind."

„Und die Tschechen die waren raffinierter. Die haben schon zeitig genug mit dem Westen zusammen gearbeitet. Die hatten auch besseres Filmmaterial, als wir, Orwo, wie das gelaufen ist, das habe ich damals nicht gefragt. Ich habe das bloß immer festgestellt, dass die da günstigere Möglichkeiten hatten, gerade was das Filmmaterial anlangte. Wir hatten ja auch manchmal einen kleinen Anteil West-Material, Eastman oder so. Und da haben die mehr gehabt, als bei uns.

Ich weiß, ich musste bei Konzert für Bratpfanne und Orchester hier im Schlosstheater drehen. Man wollte uns erst nicht hereinlassen, weil das ein sehr schönes, altes und wertvolles Theater ist, und mit diesem vielen Licht, das wäre nicht gut gewesen. Da habe ich auch nur für dieses Theater Eastman-Material bekommen. Man musste aber ganz genau ausrechnen, wie viele Einstellungen gedreht werden könnten und das war gar nicht so leicht. Die Vorschulkinder haben mit ihren Krachinstrunmenten mit dem DEFA-Symphonieorchester einen Satz aus der Feuerwerkssymphonie gespielt und das war sehr aufregend, denn wir konnten ja nicht so oft drehen. Am Ende hat aber alles geklappt ."

„Als Außenstehende finde ich es unglaublich, mit welchen Tricks da gearbeitet wurde, das Filmmaterial zu rationieren. Aber in Tschechien lief das besser?"

„Ja, da lief das besser, die haben irgendwie günstigere Vertäge gehabt mit dem Westen. Das kann man auch bei den Filmen danach beobachten, ich habe es bloß nicht verfolgt. Ich wusste es bloß und ich habs über die Kollegen gehört, aber mehr kann ich dazu einfach nicht sagen."

„Das finde ich total unglaublich, Frau Unterberg. Sie gewähren mir da sehr interessante Einblicke in wie das damals war!"

„Es ist für mich eine so schöne Erinnerung und deshalb habe ich ja auch angerufen."

„Das finde ich total klasse, herzlichen Dank dafür!"