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Der Hof und die Umgegend
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Wasserburg ©vihov - wo ist das denn??
Die Wasserburg ©vihov enstand Anfang des 14. Jahrhunderts in den Auen des Flusses Uhlava, als man den Standort einer ersten Festung aus dem 13. Jahrhundert dorthin verlegte. Obwohl sich dieser Standort später als vorteilhaft erweisen sollte, hatte man zunächst bei der Anlage der Wassergräben geschlampt, denn im Hussitenkrieg gelang es dem Feind 1425 das Wasser aus den Wassergräben einfach abzulassen.
Das liegt auch daran, dass spätere Besitzer die Säle zu Kornspeichern umbauen und später die Burg ganz verfallen liessen. Erst nach 1945 - die Burg ist seitdem im Besitz des Staates - wurde und wird sie grundlegend renoviert.
Winter 1972/73 - ©vihov wird zum Drehort für 3hfa Tja, wie das gekommen ist, weiß man nicht. Üblicherweise gibt es beim Film Leute, die sich nur damit beschäftigen, geeignete Locations zu finden. So dürfte das auch bei 3hfa gelaufen sein. Irgendjemand zog los oder wälzte Kataloge vergangener Dreharbeiten und schließlich wurde eine kleine Wasserburg als "Hof der Stiefmutter" auserkoren. Doch das alte Gemäuer erfüllte nicht alle Anforderungen, die man an einen solchen Hof stellen würde. Das Wahrzeichen der Wasserburg ©vihov, ein großer Turm mit eckigem Grundriss, passte so gar nicht zu einem Gutshof und durfte im Film nicht auftauchen. Was hier zuviel war, fehlte an anderer Stelle, denn einen Balkon, von dem aus die Gutsherrin ihre Untergebenen anbrüllen konnte, gab es nicht. Der musste vor dem Filmen also noch gebaut werden. Und die großen Bögen der Scheunentore waren offenbar nicht reniassancehaft genug, denn sie wurden mit Holzplatten zu Spitzbögen verkleidet. Andere Probleme waren eher praktischer Natur. Man brauchte ein Tor, dass man dramatisch zuknallen oder aufbrechen konnte - außerdem sollten die Hauptdarsteller von weitem darauf zureiten können. Beides in einem ging nicht, also mussten zwei Tore gebaut werden (oder besser gesagt: eins - und das wurde umgesetzt), eins für die Innenhofszenen und eins für die Szenen von außen. All dies haben wir 2001/2 herausbekommen - da war das öffentliche Interesse an 3hfa noch eher gering und auf die Fans begrenzt. Öffentliche Stellen hatten schon gar kein Interesse an den Details zu einem alten Kinderfilm. Doch die Jahre vergingen und die Begeisterung von 3hfa wurde immer größer - besser gesagt: sie äußerte sich. Scheinbar haben einige Leute die Burg ©vihov nur wegen 3hfa besucht und dort wohl auch nach den Dreharbeiten gefragt. Im Sommer 2009 tauchten jedenfalls auf der Webseite der Burg Fotos von den Dreharbeiten auf, die zu diesem Zeitpunkt immerhin schon knapp 37 Jahre zurücklagen. Sensation!! Und wer hat diesen link gefunden? Niemand anders als Chefrechercheurin Loona-Night! Mal wieder super gemacht, Loona!! Der Burgvogt, Herr Luká¹ Bojèuk ist so freundlich, uns diese Fotos für diese Webseite noch einmal zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um Scans von alten Fotos und ist einfach genial. Lest im Folgenden, wie wir Fans die unglaublichen Fakten auf eigene Faust entdeckten.
©vihov für 3hfa-Fans lange Zeit nicht wiederzuerkennen Bei Recherchen im Internet stieß ich 2001 in der tschechischen Filmdatenbank Èeske Filmové Nebe (www.cfn.cz) auf die trockene Angabe dass ein Drehort für 3hfa "Hrad ©vihov" (auf Deutsch: Burg Schwihau) gewesen sein soll. Dieses Detail stellte ich auf meine Webseite.
Ich habe einen tschechischen Freund darauf angesetzt, die Drehorte zu ermitteln und so wie ich ihn kenne sind sehr bald Resultate da. Wenn es soweit ist fahren wir gemeinsam dorthin, dann habe ich auch eine gute Kamera dabei. Ich werde dich auf dem Laufenden halten. So, ich werde mich jetzt erstmal für 10 Minuten unter die Schulterklopfmaschine stellen." - Völlig zu Recht, wie ich finde. Toms Fotos brachten mich ins Grübeln. Ich holte mir also Fernseher und PC zusammen, und verglich Standbilder des Films mit dem, was Tom mir per e-mail geschickt hatte. Nein. Das sah tatsächlich nicht nach dem "Hof der Stiefmutter" aus. Musste ich also wieder ganz von vorn anfangen und bei den damals noch mitteilungsunwilligen Tschechen nach Informationen suchen? Ich beschloss, auch mal nach ©vihov zu fahren, wenigstens selbst anschauen wollte ich diese dumme Burg mal.
Recherche im Sommer
Erst ging es nach Dresden, dann nach Prag. Endlich war es soweit: Der letzte Tag sollte ganz ©vihov gehören. Am Vorabend fuhren mein Freund und ich von Prag nach Klatovy, wo wir übernachten wollten. Auf dem Weg kommt man an ©vihov vorbei. Zeit für ein erstes Foto. Sah ja recht nett aus.
Natürlich machten wir uns als erstes auf die Suche nach dem Tor, das man im Film immer sieht. Für den perfekten Vergleich hatte ich Screenshots von der DVD gemacht. Schon als ich im vergangenen Winter angestrengt Bilder vergleichend vor dem Fernseher gesessen hatte, war mir aufgefallen, dass bei den Dreharbeiten an zwei verschiedenen Toren gefilmt worden sein muss (über solche kleinen Fehler können Fans sich nicht aufregen, die die wundersame Frisuränderung auf der Jagd vornehm übersehen ;-).
Aha. Imposanter Turm. Nett renoviert. Sieht man im Film auch nicht - tststs...
Wie Schuppen von den Augen Dieser Teil des Innenhofes kam uns - genau wie Tom - dann doch sehr bekannt vor: Und weiter rechts sieht man die anderen Gebäude. Auch das ist zwar neu verputzt worden, und wir haben mangels Leiter die Perspektive nicht richtig erwischt, man kann den "Hof der Stiefmutter" aber gut erkennen:
Nachdem wir nun sicher waren, dass zumindest Teile der Aufnahmen hier gemacht worden waren, sahen wir uns nach dem Rest um. Einen Holzbalkon hatten wir bei der Besichtigung nicht gesehen, aber vielleicht war der ja auch extra für den Film angebaut worden. Da wir auch kein anderes als das Eingangstor fanden (das überhaupt nicht neben einem Turm steht), schwante uns langsam, dass man möglicherweise sogar die Tore als Kulissen angefertigt hatte. Jaja, so naiv geht man an die Sache ran, wenn man von nix ne Ahnung hat.
Und dann bewies er mir: An diese Mauer haben Barrandovs Kulissenbauer den Holzbalkon angelehnt!
Wieder haben wir die Perspektive nicht getroffen, aber trotzdem - die kleinen Fenster über den großen beweisen: Das hier ist die Stelle! Das Fenster ganz rechts ist auch auf dem Filmausschnitt ganz rechts. Das daneben sieht im Film aus, wie eine Tür, man sieht ja wegen der Balkonbrüstung nicht, dass es nicht so tief herunter geht. Das zweite Fenster von links ist hinter dem kleinen Erker verborgen und das Fenster ganz links befindet sich im Film auf der anderen Seite der Treppe. Das Foto ganz rechts zeigt die Situation, die man so schön übersichtlich im Film auch nie sieht. Die Anordnung der großen und kleinen Fensterlöcher zueinander ist genau gleich. Trotzdem zweifelte mein Freund plötzlich: "Die Fenster sind im Film viel weiter auseinander, als hier", meinte er. Wenn man sich aber die Holzrahmen wegdenkt, die die Kulissenbauer in die Steinlaibungen eingesetzt haben (und geschickterweise mit Glas und Gardinen gefüllt haben), dann stimmt es wieder. Und das obere, abgebrochene Ende der Mauer ist im Film nie zu sehen. Genau hier, an der halbzerstörten Außenwand eines Burggebäudes, das schon lange kein Dach mehr hat, hat man die Holzkonstruktion angenagelt. A propos genagelt: Sollten da etwa noch...
Ja. Im Film wird deutlich, dass das von innen zu sehende Tor direkt neben dem Holzanbau liegt. Es muss also an den runden Turm angebaut worden sein, wahrscheinlich hat es etwa da gestanden, wo heute der Zaun ist. Um die Schnittstelle zwischen echtem, uraltem Gemäuer und nachgebautem Pappmäuerchen zu verdecken, hat man dann noch irgend so ein Gestrüpp an die Wand gelehnt. So weit so gut. Inzwischen regnete es in Strömen (es waren wohl die ersten Ausläufer des Regentiefs, das ein paar Tage später halb Tschechien und das ganze Elbegebiet verwüsten sollte) und wir waren die einzigen Bekloppten, die noch mit der Kamera wie die aufgescheuchten Hühner um die Burg herumliefen. Dafür war uns jetzt klar: ©vihov ist der "Hof der Stiefmutter". Noch ein paar Setfotos, auf denen man das ganze unromantische "Drumherum" erkennen kann.
Aber wo ist das "Außentor"? Wir hatten fast alle Gebäudeteile identifiziert, die im Film zu sehen sind. Ein Blick von der Außenseite zum imaginären Innentor machte aber klar, was auch Tom aus Bayern schon festgestellt hatte: Aus dieser Richtung hätte man Aschenbrödel und später den Prinzen nicht so schön im Heranreiten filmen können. Kein Platz. Wo also waren diese Aufnahmen enstanden???
Tatsächlich blickt man, wenn man aus dem Tor getreten und nach rechts um die Kapelle heurmgelaufen ist, genau auf die Walmdachgiebel zweier riesiger Scheunen. An der hintersten Ecke des zweiten Gebäudes steht auch ein Turm. Das sah ja fast so aus, wie im Film.
Der Filmturm am hinteren Ende der Mauer musste wohl derselbe sein, wie der an der hintersten Scheunenecke. Der große helle Fleck und das kleine Fenster sowie natürlich die Anordnung der beiden Dächer waren einfach zu ähnlich (auch wenn der Winkel, in dem wir das Arrangement fotografiert haben, wieder nicht genau derselbe ist - nächstesmal nehmen wir eine Leiter mit ;-). Aber irgendwas stimmte nicht... Ich kriegte es einfach nicht auf die Reihe. "Meine Güte, haben die eine lange Mauer gebaut!" sagte ich angesichts der beiden wirklich sehr großen Scheunen. Immerhin geht die Mauer im Film vor den Scheunen her, macht einen Knick und stößt dann an den Turm, und das waren gut und gerne mal so siebzig Meter Strecke, die die Kulisse überbrücken musste. Dabei sah das im Film alles so klein aus. Waren wir doch auf dem Holzweg? Die Dächer und vor allem der Turm, alles passte, aber die Mauer sah so seltsam aus, lag es vielleicht am Kamerawinkel? Ich verstand es einfach nicht.
Naja, so hat es in etwa ausgesehen, hätten wir dieselbe Kameraposition erwischt, sähe es genau gleich aus, aber man kann es sich auch so vorstellen... Das hat übrigens auch Lothar aus der Schweiz selbsttätig herausgefunden, der den ersten Teil dieses kleinen Berichts so spannend fand, dass er selbst versuchte, das Geheimnis um das zweite Tor zu lüften - Respekt! Und hier die beweiskräftigen Details:
Wir waren ziemlich baff. Die Stelle außerhalb des Burggeländes sah nicht nur ein bisschen nach 3hfa aus, man kann auch noch alle möglichen Details wiedererkennen. Mit allerlei geschickten Zimmermannsarbeiten hatte Barrandov hier eine perfekte Illusion geschaffen - kein Wunder, dass Hollywood so viel in Prag drehen lässt... Mario schreibt dazu: "Interessant fand ich auch die Info über die optische Täuschung mit der kurzen Mauer, welche scheinbar bis an den kleinen runden Turm heranreicht. Verstärkt wird dieser Eindruck zusätzlich durch die perfekte farbliche Angleichung der Mauer im Vordgrund an den Turm im Hintergrund und die Schärfe des Hintergrundes. Das "Dunkel" des Turmes ist 1 zu 1 im Übergang an der Mauer zu finden. Überhaupt sind die angebauten Kulissen farblich und strukturell hervorragend an die realen Bauten angeglichen. Ein Kompliment an die Kulissenbauer/Szenenbildner."
Mehr gab es an diesem Tag für uns nicht zu sehen oder zu erfahren. Das Personal in der Burg war durchweg sehr jung und wusste nichts über die Dreharbeiten. Zwar war ihnen wohl schonmal gesagt worden, dass lange vor ihrer Geburt Filmarbeiten stattgefunden hatten, aber man wollte oder konnte dazu nichts sagen. Interessanter fanden sie, dass erst kürzlich wieder ein Film dort gedreht worden war, das wollte wiederum ich nicht wissen. Dieser sträflichen Ignoranz ist es zu verdanken, dass ich keine Ahnung habe, welcher Film das war, aber wenn ich es richtig im Kopf habe, dann war es eine tschechische Fernsehproduktion. Falls ihr aber mal im Kino sitzt und eine Burg mit drei kleinen runden und einem großen eckigen Turm euch bekannt vorkommt, dann ist es wohl ©vihov...
Lothar ergänzt Details Später hat Lothar noch etwas interessantes festgestellt: Die Außenkulisse scheint dieselbe zu sein, wie beim inneren Tor. Damit wir uns richtig verstehen: Nach den Aufnahmen im Burghof hat man das Tor abgebaut und mit andersherum angeschlagener Tür außen wieder aufgebaut und ein bisschen Mauer dazugezimmert (oder andersherum). Hier die Anhaltspunkte, die diesen Verdacht erhärten:
Nun, was soll ich sagen. Dieser eigentlich sehr kurze Aufenthalt in Böhmen war für mich einfach riesig. Ich hoffe, ich konnte euch unsere Spannung und Entdeckerfreude ansatzweise vermitteln. Dass man Burg ©vihov nicht mal auf den zweiten Blick als Gut der Stiefmutter erkennt, ist bei den baulichen Veränderungen und eingeschränkten Blickwinkeln im Film kein Wunder. Wer eine Reise nach Tschechien plant, sollte es sich trotzdem mal anschauen. Die Gegend ist schön, uns sind nur sehr nette Leute begegnet (auch wenn wir bestimmt oft genervt haben) und die verträumte, nur von wenigen Touristen angefahrene Burg ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Aber Vorsicht: letztes Jahr hatte ein Fan ziemliches Pech: Als er nach mehreren hundert Kilometern Fahrt an der Burg ankam, war die für diesen Tag von einem Unternehmen für eine Betriebsfeier gemietet worden und alles Bitten und Flehen und Geld half nichts. Also lieber mal zwei Tage einplanen, oder vorher anrufen: +420 376 393 378.
So gab es einen Beitrag auf Pro7 (Galileo, 21.09.06, [Thema: Ritterturniere - Sportevent des Mittelalters]), wo diese Burg im Hintergrund zu sehen ist (siehe Bild). Da viele Produktionen für deutsche Sender dem Filmstudio Barrandov in Prag übertragen werden, greifen diese wohl gern auf (alt)bekannte und bewährte Drehorte zurück."
Hrad ©vihov heute Eine Besichtigung des Inneren lohnt auf jeden Fall! Das zerbröckelnde Tor, durch das man die Anlage betritt, macht zwar den Eindruck man habe er mit einer halben Ruine zu tun, die äußerlich ein bisschen aufgemöbelt wurde, aber von wegen! Die Burg, trauriger Rest einer einstmals stolzen Anlage mit vielen Türmen und mehreren Mauerringen, ist im Innern gut erhalten und wird gerade sorgfältig restauriert. Die Führung, an der wir teilgenommen haben, war auf tschechisch. Der sehr freundliche, gut englisch sprechende Kassenwart hatte uns aber Schnellhefter in die Hand gedrückt, in denen wir das Wichtigste auf Deutsch mitlesen konnten.
Solltet ihr mal nach Klatovy fahren, schaut euch unbedingt
den Innenraum dieser Kirche an (der Eintritt ist frei, Der weiße Turm gehört zu einer anderen Kirche, an die er aber nicht angebaut ist. Er steht frei und weiß angestrichen neben der Kirche, die außen Bruchsteine zeigt. Am Marktplatz gibt es außerdem die ehemalige "Einhorn-Apotheke", UNESCO-Weltkulturgut und heute Museum. Wenn ihr irgendetwas davon besichtigen wollt, fahrt nicht Montags hin, dann haben viele Sehenswürdigkeiten (und auch das Museum der Burg ©vihov) geschlossen.
Quellen: 1) Fröhling, Stefan: Böhmerwald und böhmische Bäder; Verlag DuMont; Köln 1994; S. 89f. |
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