Die Pferde



Laut Drehbuch sollte Aschenbrödels Pferd Nikolaus (im tschechischen Original Jura¹ek) eigentlich ein Rappe sein. Warum im Film ein Schimmel verwendet wurde, wissen wir nicht. Aber es musste noch mehr geändert werden. Regisseur Václav Vorlíèek erinnert sich: "Wir mussten für die Ritte entsprechende Tiere nehmen. Wir hatten den einzelnen Rollen bestimmte Pferde zugeordnet. Zuerst mussten sich Pferde und Schauspieler aneinander gewöhnen, aber während wir in Tschechien drehten, klappte das ganz gut.

Als wir später in Deutschland drehen wollten, kam das Problem der Maul- und Klauenseuche dazwischen. An der Grenze wurden wir angehalten und die Tiere durften nicht weiter transportiert werden. Der Pferdepfleger fotografierte die Pferde und fuhr in Deutschland die Reiterhöfe ab um entsprechend identische Tiere aufzutreiben. Als wir Menschen einreisten mussten wir alle durch Desinfektionswannen steigen."

Ibrahim,
das tschechische Pferd
Kalif, das deutsche Pferd

Der Gesundheitsschutz der Tiere wurde in der DDR offenbar sehr ernst genommen. Pferde-Experte Christoph Müller schreibt: "Jedesmal wenn sie mit den Pferden zum Turnier fuhren, mussten sie vom Kreisfachausschuss eine Tierseuchenfreiheitsbescheinigung holen."

So kam es, dass Aschenbrödels Freund Nikolaus - Pferdeliebhabern ist es längst aufgefallen - in Wahrheit zwei Pferde sind.

Im Nachhinein kann man ganz gut an den Pferden erkennen, welche Szenen in Tschechien und welche in Deutschland gedreht wurden.


2003 haben wir über das deutsche Pferd bereits einige Grundinformationen erhalten, aus denen später mehr wurde. Aber bis sich der Schleier der Vergangenheit auch über seinem tschechischen Kollegen lüftete, vergingen weitere viereinhalb Jahre.

Nachfrage beim Nationalgestüt in Kladruby nad Labem
Ein Pferdeliebhaber aus Potsdam hat so einiges über den deutschen Nikolaus herausgefunden und Ende 2007 den Tipp erhalten, dass es sich bei dem tschechischen Pferd um einen Hengst aus Kladruber Zucht handeln könnte.

In Kladruby nad Labem gibt es tatsächlich ein Nationalgestüt. Auf deren Webseite erfährt man, dass die sog. "Altkladruber" früher als kaiserliche und königliche Karossierpferde dienten. Für den Fall, dass die Habsburger mal in der Gegend waren und beruflich irgendwo vorfahren wollten, musste das Gestüt ständig sechzehn Schimmelhengste und für den Fall eines Kirchenbesuches sechzehn Rapphengste bereit halten.

Auf der gut gemachten Webseite fand ich als deutschsprachige Ansprechpartnerin nur die Gestütsdirektorin Frau Lenka Gotthardová. Sie schrieb auf meine Frage nach dem Pferd aus "Tøi oøí¹ky pro Popelku" gleich zurück, dass es schwer sei, darüber noch etwas zu erfahren, dass sie aber wüsste, wen sie fragen müsste, nur dass dieser Mann zur Zeit in Kur sei.

Diese Antwort fand ich schonmal sehr nett. Da nimmt sich die Leiterin des international bekannten und sehr aktiven Gestüts Zeit, einem Filmfan aus Deutschland zu mailen, dass sie sich um eine Frage bezüglich eiens Vorgangs vor 35 Jahren kümmern wird. Und dann macht sie das auch! Sowas kenne ich von deutschen Amtsträgern eher nicht.

Frau Gotthardová hat ihren Bekannten tatsächlich gefragt und mir dann mitgeteilt, dass "das Pferd, welches spielte im Film Tri orí¹ky pro Popelku war ein Pferd eines Reitclubs in Pilsen. Seine Name war Elixír. Mit ihm war Herr Franti¹ek ®ák dort, der schon gestorben ist."


Jura¹ek kommt aus Pilsen!
Aha! Elixír also. Wäre aber auch nett, wenn man noch etwas mehr herausfinden könnte. Auf der Webseite der Stadt Pilsen sind alle Reitmöglichkeiten aufgeführt und die mit der fettesten Internetpräsenz habe ich angeschrieben - den Jezdecký klub Slavia V© Plzeò.

Die Antwort kam zwei Tage später auf Tschechisch, aber wozu gibt es Wörterbücher. Der Präsident des Clubs, Herr Jan Stroner schreibt mir: "Unser Club und auch ich persönlich hatten großen Anteil an den Dreharbeiten diese schönen Märchens. Ich und meine damaligen Club-Kollegen haben Komparsenrollen übernommen bzw. waren auch Double für den Prinzen.

Die Prinzessin ist in einigen Situationen von unserer Kollegin Helena ©truncová gedoubelt worden. Natürlich saßen wir in dieser Verfilmung auf unseren Rössern. Und obwohl wir insbesondere vor 1989 bei den Dreharbeiten für ca. 175 Verfilmungen und Fernsehproduktionen mitgemacht haben, entsinne ich mich gerade an diese Dreharbeiten recht gern.

Der Walach Jurá¹ek war bei der ganzen Equipe ein bisschen die Ausnahme. Er stammte aus dem Prager Reitclub JK Ès.film Praha, nannte sich Ibrahim und zur den Dreharbeiten wurde er begleitet von Frau Beranová. Da war er schon ca. 17 Jahre alt.

Das interessante Pferd des Prinzen (ebenfalls ein Schimmel) hieß ©ibal. Der andere Schimmel (gut zu sehen bei der Fuchsjagd) nannte sich ©erif, auf ihm sitzt unser damaliger Trainer Herr Franti¹ek ®ák. Das Pferd des Präzeptors (Lehrers) war unser Fjord-Zuchthengst Èaromír.

Auf den Bildern, die Teil Ihrer E-mail waren ist ganz eindeutig Jurá¹ek, mit bürgerlichem Namen Ibrahim, zu erkennen.

Das angesprochene Pferd Elixír war auch in unserem Stall. Er spielte in vielen Filmen mit, aber bei diesen Dreharbeiten war er nicht dabei."

 

Kladruber Pferde ebenfalls beteiligt
Das Nationalgestüt Kladruby hat aber auch ein paar Pferde für 3hfa gestellt, so "Genda" (der Vater war Generalissimus XXVII) als Ersatzpferd. Als Berater hatte man Herrn Jirí Kocman (sonst ein sehr guter Vierspännerfahrer) mit vier Altkladrubern zu den Dreharbeiten abgeordnet, zwei davon zogen z.B. die Kutsche der Stiefmutter kurz vor Ende des Films - die "Gäuler" waren also edle Tiere.

Frau Gotthardová hat uns sozusagen nach Kladurby eingeladen: "Ihre Fans von Tri orí¹ky pro Popelku können auch einmal unseres Gestüt in Kladruby besuchen - wir haben 2 Orten, wo sind die Altkladruberpferde gezüchtet. Zusammen haben wir 610 Pferde - 320 Schimmel (Märchenschimmel) in Kladruby und 290 Rappen in Slatinany. Wenn Ihre Fans sind auch Fans von Märchenschimmel, dann Kladruby sind für sie gutes Ort."

Na, da sagen wir doch herzlich Dankeschön!!

Im April 2008 widmete die Pferdezeitschrift "Cavallo" den beiden tierischen Darstellern einen längeren Artikel. Der Journalist John Patrick Mikisch hat tatsächlich noch ein paar Details herausgefunden!