Die Geschichte vom Aschenbrödel in der

Erscheinungstermin der Zeitschrift-Ausgabe: 6.12.2007
Bei uns schon am Vortag zu lesen!

Die Film-Prinzessin ist heute noch eine wunderschöne Frau. In SUPERillu erzählt Regisseur Václav Vorlíček, wie er sie fand. Für »Libuschka« war’s der Beginn einer großen Karriere

"Sie wollen mich über »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« ausfragen? Das ist kein Problem, wenn Sie nach Prag kommen können." Für das Treffen mit SUPERillu würde Regisseur Václav Vorlíček sogar seinen freien Sonntagnachmittag spendieren.

Seit über drei Jahrzehnten sind seine romantischen und humorvollen »Haselnüsse« die weltweit erfolgreichste Verfilmung des Aschenbrödel-Stoffes. Das verdankt der Film vor allem der wunderschönen Hauptdarstellerin, der damals gerade 19 Jahre alten Libuše Šafránková. Libuše, heute 54, wird von den Tschechen liebevoll Libuschka genannt. Sie und ihr Mann Josef Abrhám wurden erst voriges Jahr zum beliebtesten Schauspielerpaar des Jahres gewählt. Aber »Libuschka« scheut die Medien, lebt seit einigen Jahren sehr zurückgezogen – aus gutem Grund. Mit Václav Vorlíček verbindet sie eine enge Freundschaft.

Wintereinbruch.
Gespannt warten wir nahe der Karlsbrücke. Ein stürmischer Schneeregen hat begonnen. So ungefähr war es auch, als Václac Vorlíček im November 1972 mit den Dreharbeiten für »Aschenbrödel« begann. Da kommt auch schon der Regisseur. „Ich habe gestern mit Libuschka gesprochen. Sie war 300 Kilometer weg von Prag bei ihrer Mutti und wusste noch nicht, ob sie heute zurückkommt, sonst hätte ich sie mitgebracht. Ich werde sie nachher noch mal anrufen."

Vorlíček schlägt ein kleines Lokal auf der anderen Seite der Karlsbrücke vor. „Dort habe ich mit Libuschka 1974 den Film »Wie soll man Dr. Mrácek ertränken?« gedreht. Damals war das Haus noch kein Lokal", sagt er. Bestimmt erinnern sich viele Leser an die witzige, verrückte Filmkomödie.
Schon auf dem Weg erzählt Vorlíček, wie Libuše seine »Popelka«, sein Aschenbrödel wurde. „Ich habe Probeaufnahmen mit vielen schönen Mädchen gemacht. Aber keine war es. Dann erinnerte ich mich an ein kleines hübsches Mädchen, das ich in dem Fernsehfilm »Die Großmutter« gesehen hatte. Das war Libuschka. Ich lud sie ein. Doch bevor ich ihr das Drehbuch gab, fragte ich, ob sie reiten kann. Denn das war für mein »Aschenbrödel« ganz wichtig. Sie sagte ja…"

Natürlich überzeugte auch ihr Talent, ihre Schönheit und ihr fröhliches Naturell. „Sie hat sich kaum verändert", sagt Václav Vorlíček. „Sie lacht sehr viel. Wenn ich mich Libuschka treffe, wird das immer ein sehr fröhliches Gespräch."

Ein Glücksfall.
Für Libuše Šafránková selbst ist es kein Zufall, dass das Los für die Rolle auf sie fiel. Schon als Kind liebte sie das Volksmärchen »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Jeden Abend musste es ihr die Großmutter erzählen. Und wehe, sie ließ ein Detail weg. "Dann habe ich protestiert: So ist das nicht Oma!", erzählte sie einmal. „Vielleicht", setzte sie fort, "habe ich mir mit meiner kindlichen Phantasie die Rolle herbeigewünscht. Es war ja ein Wunder, dass ich den Vácek genau zum richtigen Zeitpunkt getroffen habe. Das Märchen hat eine umwerfende Mystik und Symbolik. Und er hat ein Aschenbrödel geschaffen, das romantisch, aber auch frech und emanzipiert ist. Das hat mir gefallen.

Für die Zuschauer war es also ein Glück, dass Libuše mit Pferden aufwuchs. Sonst wäre nie ein so zauberhafter Film entstanden. Die Reitszenen gehören zu den schönsten Aufnahmen. „Wir haben 40 Einstellungen dafür gedreht", erzählt der Regisseur. "Jeden Tag nach den Dreharbeiten habe ich Libuschka noch reiten lassen. Das war ihr nie zuviel. Sie hat sich darauf gefreut." Im ganzen Film wurde sie nur zweimal gedoubelt. Bei der Flucht vom Schloss und beim Sprung über einen Baumstamm, als sie mit ihrem Pferd durch den Wald jagt.

 

Vorlíček fällt eine Episode ein. "Es gibt eine Szene, da greift sich Aschenbrödel das Pferd des Prinzen und springt auf. Da mussten wir tricksen. Libuschka ist nur 1,65, das Pferd war sehr viel größer und stand auch noch auf einem Hügelchen. Da haben wir einen Baumstamm unterm Schnee versteckt, von dem sie aufspringen konnte." Dann lacht er. "Und diese zarte kleine Person hat einen Sohn, der bei der Geburt fünf Kilo wog und heute zwei Meter groß ist!"

Künstlerblut.
Die Kindheit verbrachte Libuše in einem Dorf nahe Brno. Hier lernte das sportliche Mädchen Eislaufen, schwamm mit den Jungs um die Wette, spielte sogar Fußball. Ihr musisches Talent hat sie vom Vater, einem Musiklehrer. Sonntags spielte er in der Kirche Orgel, hatte eine Blaskapelle und studierte mit einer Laienspielgruppe Dramen und Operetten ein. "Sie machten vor nichts halt", erinnert sich Libuše, die mit ihrer Schwester Miroslava alles miterlebte. Denn die Proben fanden zu Hause statt. Die Begeisterung steckte an. Beide Mädchen wurden Schauspielerinnen.

Karriere und Liebe.
Vaclav Vorlíček erinnert sich, dass Libuše 1971 nach Prag zog. "Sie bekam ein Engagement am Schauspielklub und spielte viele Rollen. Als wir für die »Drei Haselnüsse« in Babelsberg drehten, musste sie zweimal in der Woche nach Prag zu Vorstellungen."

Im Theater faszinierte die Elevin ein älterer Kollege, Josef Abrhám. Heute 67 und seit langem bekannt als Dr. Blázej aus der Fernsehserie »Das Krankenhaus am Rande der Stadt«. Sie gefiel ihm ebenfalls. Heimlich besuchte jeder die Vorstellungen des anderen. Zwei Jahre lang. Doch erst nach einer gemeinsamen Inszenierung sprang der Funke über. "1976 haben sie geheiratet. Sogar kirchlich", erinnert sich Vorlíček. Und 1977 wurde ihr Sohn Josef jr. geboren. Das war auch der Grund, weshalb sie eine Rolle in der ersten Staffel der beliebten Serie an der Seite ihres Mannes nicht annehmen konnte. "Libuschka bereut das nicht, denn sie hat viele andere schöne Filme gedreht, hat Auszeichnungen bekommen und ist ein Publikumsliebling bei uns geworden", sagt Vorlíček. Das Versäumte holt Libuše jetzt nach. Dieser Tage begannen Dreharbeiten für eine neue Staffel. "Libuše hat da eine interessante Rolle. Sie spielt eine Schriftstellerin, die sich zu Recherchezwecken als Putzfrau im Krankenhaus verdingt. Dabei verliebt sie sich in Chefarzt Blazej."
Zu dieser Rolle hat sie Sohn Josef junior überredet. Er studierte Sprachwissenschaft, arbeitet inzwischen als Regisseur und Drehbuchautor in Prag und bereitet seine Mutter auf eine Rolle im Film »Englische Rhapsodie« vor.

Verletzungen.
Gemeinsam stand das Ehepaar für »Lauf, Ober lauf« und »Alle meine Lieben« vor der Kamera. Die Filme liefen auch im deutschen Fernsehen. Beide sind sehr glücklich, wenn es auch harte Zeiten gab: 1993 hatte Abrhám eine Ziegelei zurück erhalten, die der Familie über hundert Jahre gehört hatte, investierte viel Arbeit und Geld. Doch der Familienbetrieb musste schließlich Konkurs anmelden.

Warum aber hat Libuše solche Abneigung gegen Interviews? Vorlíček weiß es: Eine Boulevardzeitung hatte ihr Alkoholprobleme und eine Ehekrise angedichtet. "Das ging 2001durch alle bunten Blätter und hat Libuschka und ihren Mann sehr verletzt." Vor Gericht konnte das Schauspielerpaar seinen guten Ruf verteidigen, der Journalist wurde sogar zu viermonatiger Bewährungsstrafe verurteilt.

Also bitten wir Vaclav Vorlíček, die Schauspielerin zu grüßen – die SUPERillu-Leser freuen sich über die DVD »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Hoffen wir, dass die neuen Folgen vom »Krankenhaus am Rande der Stadt« bald auch im deutschen Fernsehen laufen.

Text: Bärbel Beuchler

Ich danke herzlich Bärbel Beuchler und Patrick Ziob von der Superillu!!