Vorlíček fällt eine Episode ein. "Es gibt eine Szene,
da greift sich Aschenbrödel das Pferd des Prinzen und springt
auf. Da mussten wir tricksen. Libuschka ist nur 1,65, das Pferd
war sehr viel größer und stand auch noch auf einem
Hügelchen. Da haben wir einen Baumstamm unterm Schnee versteckt,
von dem sie aufspringen konnte." Dann lacht er. "Und
diese zarte kleine Person hat einen Sohn, der bei der Geburt fünf
Kilo wog und heute zwei Meter groß ist!"
Künstlerblut.
Die Kindheit verbrachte Libuše in einem Dorf nahe Brno. Hier lernte
das sportliche Mädchen Eislaufen, schwamm mit den Jungs um
die Wette, spielte sogar Fußball. Ihr musisches Talent hat
sie vom Vater, einem Musiklehrer. Sonntags spielte er in der Kirche
Orgel, hatte eine Blaskapelle und studierte mit einer Laienspielgruppe
Dramen und Operetten ein. "Sie machten vor nichts halt",
erinnert sich Libuše, die mit ihrer Schwester Miroslava alles
miterlebte. Denn die Proben fanden zu Hause statt. Die Begeisterung
steckte an. Beide Mädchen wurden Schauspielerinnen.
Karriere und Liebe.
Vaclav Vorlíček erinnert sich, dass Libuše 1971 nach Prag zog.
"Sie bekam ein Engagement am Schauspielklub und spielte viele
Rollen. Als wir für die »Drei Haselnüsse«
in Babelsberg drehten, musste sie zweimal in der Woche nach Prag
zu Vorstellungen."
Im Theater faszinierte die Elevin ein älterer Kollege, Josef
Abrhám. Heute 67 und seit langem bekannt als Dr. Blázej
aus der Fernsehserie »Das Krankenhaus am Rande der Stadt«.
Sie gefiel ihm ebenfalls. Heimlich besuchte jeder die Vorstellungen
des anderen. Zwei Jahre lang. Doch erst nach einer gemeinsamen
Inszenierung sprang der Funke über. "1976 haben sie
geheiratet. Sogar kirchlich", erinnert sich Vorlíček. Und
1977 wurde ihr Sohn Josef jr. geboren. Das war auch der Grund,
weshalb sie eine Rolle in der ersten Staffel der beliebten Serie
an der Seite ihres Mannes nicht annehmen konnte. "Libuschka
bereut das nicht, denn sie hat viele andere schöne Filme
gedreht, hat Auszeichnungen bekommen und ist ein Publikumsliebling
bei uns geworden", sagt Vorlíček. Das Versäumte holt
Libuše jetzt nach. Dieser Tage begannen Dreharbeiten für
eine neue Staffel. "Libuše hat da eine interessante Rolle.
Sie spielt eine Schriftstellerin, die sich zu Recherchezwecken
als Putzfrau im Krankenhaus verdingt. Dabei verliebt sie sich
in Chefarzt Blazej."
Zu dieser Rolle hat sie Sohn Josef junior überredet. Er studierte
Sprachwissenschaft, arbeitet inzwischen als Regisseur und Drehbuchautor
in Prag und bereitet seine Mutter auf eine Rolle im Film »Englische
Rhapsodie« vor.
Verletzungen.
Gemeinsam stand das Ehepaar für »Lauf, Ober lauf«
und »Alle meine Lieben« vor der Kamera. Die Filme
liefen auch im deutschen Fernsehen. Beide sind sehr glücklich,
wenn es auch harte Zeiten gab: 1993 hatte Abrhám eine Ziegelei
zurück erhalten, die der Familie über hundert Jahre
gehört hatte, investierte viel Arbeit und Geld. Doch der
Familienbetrieb musste schließlich Konkurs anmelden.
Warum aber hat Libuše solche Abneigung gegen Interviews? Vorlíček
weiß es: Eine Boulevardzeitung hatte ihr Alkoholprobleme
und eine Ehekrise angedichtet. "Das ging 2001durch alle bunten
Blätter und hat Libuschka und ihren Mann sehr verletzt."
Vor Gericht konnte das Schauspielerpaar seinen guten Ruf verteidigen,
der Journalist wurde sogar zu viermonatiger Bewährungsstrafe
verurteilt.
Also bitten wir Vaclav Vorlíček, die Schauspielerin zu grüßen
– die SUPERillu-Leser freuen sich über die DVD »Drei
Haselnüsse für Aschenbrödel«. Hoffen wir,
dass die neuen Folgen vom »Krankenhaus am Rande der Stadt«
bald auch im deutschen Fernsehen laufen.
Text: Bärbel Beuchler
Ich danke herzlich Bärbel Beuchler und Patrick Ziob von der
Superillu!!