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Erscheinungstermin der Zeitschrift-Ausgabe: 29.11.2007
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Am 10. März 1974 schlug die Geburtsstunde für einen der beliebtesten Märchenfilme aller Zeiten: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", eine Gemeinschaftsproduktion der DEFA mit dem Prager Filmstudio Barrandov, wurde im Berliner Kino "Babylon" uraufgeführt. Seitdem ging der Film um die ganze Welt. In Tschechien wurde er zum "Märchenfilm des Jahrhunderts" gewählt. Und auch in Deutschland ­ Ost wie West ­ spielte er sich in die Herzen mehrerer Zuschauer-Generationen. Zur DVDPremiere in SUPERillu erzählen wir, wem der Erfolg zu verdanken ist.

Die Dichterin.
An der Wiege des Märchens stand eine tschechische Dichterin Božena Nemcová (1820 ­ 1862). Wie Aschenbrödel stammte sie aus einer armen Familie. Mit 17 heiratete sie einen älteren Finanzbeamten. Aber anders als der Prinz im Märchen erwies sich dieser Mann nicht als Glücksfall: Er lehnte die schriftstellerische Tätigkeit seiner Frau ab und verbot ihr, sich mit Prager Autoren zu treffen. Ihren Erfolg sah er als Gefahr, und es kam sogar dazu, dass er sie aus Eifersucht und gekränkter Eitelkeit prügelte.

Doch Božena Nemcová lehnte sich gegen die traditionellen Rollenverhältnisse auf, trat für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frau ein. Auch in ihrem Aschenbrödel-Text, der zum ersten Mal in der Sammlung "Volksmärchen und Sagen" (1845/47) erschien, plädiert sie für weibliches Selbstbewusstsein, Mut und Temperament. Als Nemcová starb, folgten Tausende auf dem Prager Ehrenfriedhof Vysehrad ihrem Sarg.

2005 entstand als deutschtschechische Koproduktion der Film "Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern", in dem Regisseurin Dagmar Knöpfel Leben und Werk der Dichterin skizzierte. Die Hauptrolle spielt Corinna Harfouch.

 

Der Regisseur.
Václav Vorlíček (*1930) schätzte man am Prager Barrandov-Studio hoch, nicht nur wegen der wunderbaren Komödie "Das Mädchen auf dem Besenstiel". Nun aber sollte er sein Meisterstück abliefern.

Allerdings war der Weg dahin hart. So war der Winter 1972/73, als gedreht wurde, eisig. Die Schauspieler mussten immer wieder ermuntert werden, bei bis zu minus 19 Grad mit ihren dünnen Strumpfhosen ins Freie zu gehen. Damit sie nicht im Schnee stecken blieben, wurde er regelmäßig platt gewalzt.

 

Doch als das Team, von Böhmen kommend, die Außenaufnahmen am Schloss Moritzburg fortsetzen wollte, war dort alles grau. Der DEFA blieb nichts übrig, als waggonweise künstlichen Schnee herbeizuschaffen.

Die lustigste Episode erlebte Vorlícek mit der Eule Rosalie, die extra für die Dreharbeiten aus dem Zoo ausgeliehen worden war. Um sie für eine Großaufnahme zum Zwinkern zu bewegen, stupste er mit einem Stöckchen ihr Hinterteil an. Das funktionierte!

Auch nach "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" gelangen Vorlíček immer wieder große Publikumserfolge, darunter "Das Ende der Wassermänner in Böhmen" und "Der Prinz und der Abendstern".

 

Der Komponist.
Karel Svoboda schuf neben dem eingängigen Soundtrack für die "Haselnüsse" noch rund 900 weitere Filmmusiken. Dean Reed verpflichtete ihn für seine DEFA-Westernparodie "Sing, Cowboy, sing". Svoboda schrieb Musiken für Filme von Bud Spencer und Joseph Vilsmaier.

Am berühmtesten aber wurde sein Titellied für die Fernsehserie "Die Biene Maja", das sein Freund Karl Gott interpretierte. Auch bei "Drei Haselnüsse ..." wollte Svoboda auf Karel Gott nicht verzichten. Achten Sie drauf, wenn Aschenbrödel auf seinem Schimmel vom Schloss des Prinzen flieht. Noch 2006 komponierte Svoboda für Pro Sieben die Musik für mehrere Märchenparodien.

Doch Ende Januar 2007 wurde er im Garten seines Hauses bei Prag tot aufgefunden: Er hatte sich erschossen. Tschechische Medien berichteten von tiefen Depressionen, Überarbeitung und Angst vor Problemen des Alters.

Ralf Schenk