von Eva-Maria Helmsorig

Vorwort

Das Grimmsche Aschenputtel

Die Figuren in 3HfA

Ein Bild gewordener Traum

Die Asche

Die Tauben

Aschenbrödel kann wirklich reiten!!

Nicht nur "Eichhörnchenfutter"

Aschenbrödels drei Kostüme

Der Prinz

Märchenhafte Überhöhung

Aktives Handeln

Aschenbrödels Omnipotenz

Die Tiere

Die Schneelandschaft

Märchenerzähler ersetzt

Wir alle sind verliebt!!

Aschenbrödels Ritt ins Eheleben

Licht und Farben

Die Filmmusik

Der Schuh

Von der Meisterschützin zur Braut

Großes filmisches Können

Gefühl und Humor

Visionäre des Kinderfilms

 

Märchenhafte Phantasiewelt -
romantisch und poetisch mit viel filmischem Können dargestellt

In der Zusammenschau aller vorgebrachten Aspekte zeigt sich also, dass 3HfA es schafft, die ganze Filmhandlung hindurch die Zuschauer in eine märchenhafte Phantasiewelt zu entführen, die durch ihre historische Originalgetreue durchaus real und glaubhaft und dadurch noch faszinierender wirkt.

Erreicht hat Václav Vorlíèek das auch dadurch, dass er das Phantastische (auch mit Hilfe der Tricktechnik, die sich aus heutiger Sicht mit einfachen Mitteln beholfen hat) so in den Film eingebaut hat, dass der Zuschauer es "für bare Münze und nicht für irgendeinen Mummenschanz hält" (G. Müntefering, s.u.). Er hat die phantastischen Elemente also nicht isoliert, sondern lebensecht in den historischen Rahmen des Märchens eingebunden, so dass dynamische Kräfte frei werden, die das emotionale Erlebnis verstärken und den Film lebendiger und intensiver spürbar machen.

Vorlíèek selber beschrieb es so: "Es geht darum, den Zuschauer in möglichst kurzer Zeit der Geschichte dahin zu führen, dass er glaubt, Unmögliches sei möglich und er die SPIELREGELN des Märchens annimmt. Sobald er also Unmögliches als Real annimmt, dann spielt er das Spiel mit mir."

Außerdem hat Vorlíèek, wie oben beschrieben, die Charaktere seiner Märchenfiguren glaubhaft und psychologisch motiviert, so dass sie dadurch wie heutige moderne Menschen handeln.

Gleichzeitig hat er es geschafft, die Weisheit, die in (oder hinter) dem alten Märchen steckt, ebenfalls glaubhaft und sinnlich - also romantisch und poetisch - zu vermitteln.
Das geschieht wie oben aufgelistet mit viel filmischem Können (Kamera, Ton, Licht, Farben, Musik) unterstützt von einer humorvollen und emotionalen bis zum Schluss spannenden Handlung, die ohne spektakuläre Szenen und Sensationen auskommt.

 

Die Weisheit der alten Märchen - mit Gefühl und Humor vermittelt

Man spürt, hier gehen die Gefühle dem Wissen voraus und mit ihrer Unterstützung kann man die Wahrheit erfühlen, die hinter den Dingen liegt, so wie es auch der Humor schafft, neue Erkenntnisse zu vermitteln, ohne wie in den Grimmschen Märchen belehren zu wollen (was ja niemand gerne mag).

In der Poesie der Filmsprache werden dabei die Sehnsüchte nach Liebe, Träumen und Abenteuern erfüllt. Darüber hinaus finden die Zuschauer ihren Seelenfrieden in dem Wissen um die Weisheit der Märchen, dass das Gute, die Gerechtigkeit und die Liebe siegen, so formulierte es Ota Hofmann (der Erfinder von "Pan Tau" und Regisseur des ebenfalls genialen Märchenfilms "Die kleine Meerjungfrau" nach H.C. Andersen), unter dessen dramaturgischer Leitung 3HfA entstanden ist.

So können wir auch heute noch das Werk echter Filmkünstler bestaunen, das in einer einfachen, ungekünstelten, natürlichen Sprache gehalten ist, die sich an den Jargon der 70er Jahre Jugend anlehnt und noch immer so modern wirkt, dass sich die Zuschauer auch heute noch darin wieder finden können.

Daran anfügen möchte ich noch ein Zitat von Ota Hofmann (links): "Die Kunst, der große Zauberer, kann weinen und lachen machen, den Hunger nach großen Erlebnissen, kühnen Taten und phantastischen Abenteuern stillen... ..., kann den Zuschauern helfen, die Kräfte der Phantasie weit hinaus zu spannen und über sich hinaus zu wachsen und Eins werden mit allem Begeisterndem, Staunenswertem, Kühnen und Großen."

 

Visionäre des Kinderfilms als "Paten" von 3HfA

Gerd Müntefering hat 3HfA Anfang der 70er Jahre als Programmleiter des WDR-Kinderfernsehens und Vater der "Sendung mit der Maus" für den WDR eingekauft, weil er in der damaligen Tschechoslowakei "eine vielgestaltige Programmlandschaft für Kinder fand, in der Talente ungestüm und rigoros zu erzählen verstehen..., wo breite asphaltierte Lernstraßen aufgelöst werden in viele wilde Wege..."

Evas Onkel Albert

Nicht zu vergessen sind da auch Filme wie "Das Mädchen auf dem Besenstiel" (ebenfalls unter der Regie von Václav Vorlíèek, 1972), das meine ersten Kinderfilm-Seherfahrungen entscheidend geprägt hat, weil da die Hoffnung aufkeimte, das sich etwas Neues entwickelte, und ebenfalls nicht zu vergessen die Serie "Die Märchenbraut" (auch R: Václav Vorlíèek, über die ich ursprünglich schreiben wollte) - alle Werke mit dem unvergleichlichen Vladimír Men¹ík, der mich immer an meinen Lieblings-Onkel Albert erinnert hat (noch mit über 70 Jahren hat ihn sein damals 3jähriger Großneffe David, dessen Eltern berufstätig sind und mit dem Onkel Albert viel Zeit verbracht hat, gefragt: "Onkel Albert, wer passt denn heute auf uns auf?" - Eine schönere Liebeserklärung gibt es doch gar nicht, oder?!).

Und um noch einmal Ota Hofmann zu zitieren: "Ich glaube, dass man nirgendwo so viel experimentieren muss, wie im Märchenfilm. Ihn konventionell zu machen, wäre Betrug."

 

 

Eva-Maria Helmsorig, 6. Februar 2007, 1:24 Uhr, 7. Februar 17:11 Uhr, 8.2. 19.10 Uhr