Aschenbrödel-Ausstellung auf Schloss Moritzburg

7. November 2015 bis 28. Februar 2016

Die neueste 3hfa-Ausstellung am Originaldrehort prägen zwei Faktoren: Der knappe Platz - statt vieler Räume auf mehreren Etagen standen den Ausstellungsmachern nur einge wenige Räume zur Verfügung - und der ungebremsten Recherchierfreudigkeit des Kurators Steffen Retzlaff.


Los geht es wie gewohnt in der Eingangshalle. Dort gibt es Platz, um Kinderwagen abzustellen und Schließfächer um seinen dicken Wintermantel zu deponieren.


Nachgeschneiderte Kostüme und ein Papppanorama in das man sich für ein Erinnerungsfoto stellen kann, begrüßen den Besucher im Erdgeschoss.

Das Treppenhaus ist dezent aber edel dekoriert mit goldgerahmten Setfotos, etwas Grün und weißen Papiertauben, die in den beiden Treppenaugen an Fäden hängen.


Nach einem kurzen Gang über die Balustrade des Speisesaals, von der aus man auf den üblichen reich eingedeckten Tisch blicken kann, gelangt man in die eigentliche Ausstellung.


Das Architektenteam whitebox aus Dresden hat die knappen 450 qm gut genutzt. Geschickt gemachte Einbauten ergeben mehrere Kammern, jede für sich ganz anders als die vorhergehenden gestaltet, so dass man durch viele Welten schreiten kann.


Los geht es in einem edel wirkenden Kinofoyer, wo eine DDR-Kassiererin in freundlichem Ton die Besucher einstimmt. Große Texttafeln, wie man sie bisher gewohnt war, sucht man in der neuen Ausstellung vergebens, stattdessen gibt es hier erst mal eine Art Pinwand, auf der man mit vielen Bildern und Symbolen versehen die Wege und Umwege vom Drehbuch bis zum Drehbeginn nachvollziehen kann.


Es folgt ein gut gefüllter Raum mit vielen Originalrequsititen, gleich am Eingang Aschenbrödels Ballkleid und das Familienrat-Kostüm des Königs, dazu des Königs Bart und Stiefmutters Perücke. Frau Fleischers Modell von Burg Svihov wird auch jedes Jahr schöner, jetzt surrt der Antrieb, der die Kulissen im Boden verschwinden lässt, nur noch leise und man hat mit vielen handdekorierten Figuren einen Drehtag nachgestellt. Die Leuchter aus der Guten Stube der Stiefmutter sind auch zu sehen.

Im Folgenden gibt es ein Kino, einen Schneideraum, in dem man sich ewig aufhalten kann, will man alle Geheimnisse entdecken und an allen Knöpfen drehen, sowie einen echten Wald mit Aschenbrödels Dachboden. Den kann man aber nur sehen, wenn man seinen Kopf durch eins der Löcher steckt in der Bodenplatte steckt.


Außerdem zwei große Holzräder, die jedem, der sie einmal ganz herumdreht, eine Haselnuss liefern. Die braucht man auch, denn in den weiteren Räumen kann man herausfinden, wie die Geschichte für einige Nebenfiguren weitergegangen sein könnte. Dazu muss man die gerade gewonnene Nuss in ein Loch stecken, wodurch eine kurze Bildergeschichte sichtbar wird. Sehr süß gemacht. Kleinröschen z. B. hat sich vielleicht in einen anderen Gast verliebt, der dem Essen genau so zugetan war, wie sie selbst. Und keine Sorge: die Nuss fällt unten wieder heraus.

Auch das tanzende Traumpaar Prinz und Aschenbrödel sind wieder dabei, dazu das Originalkostüm der Familie Palmowski, das dem geneigten Besucher berichten kann, wie es einem als Kostüm in 40 Jahren so ergeht.


Am Schluss wandelt man praktisch durch den Film (der auf einen Fadenvorhang projiziert wird) in den letzten Raum. Vielen mag er leer und steril erscheinen, aber er enthält eine weitere Reliquie: Aschenbrödels Brautkleid. Aus Sicherheitsgründen hinter Glas und geheimnisvoll beleuchtet. Gleich daneben kann man seine Nuss ein letztes Mal einwerfen, und diesmal gibt es sie auch nicht zurück. Dafür klingen aber leise zwei Zimbeln und man darf sich etwas wünschen.

Zurück geht es durch ein anderes Treppenhaus, in dem man auf dem Weg in die Schlossküche mit Cafeteria und Souvenirshop (leider nicht von außen zugänglich) historische Filmplakate bestaunen kann.


Obwohl die Ausstellung flächenmäßig klein ist, gibt es sehr viel zu entdecken, viele neue Insider-Informationen sind darunter, die in mühevoller Kleinarbeit in diversen Archiven und in Gesprächen mit Zeitzeugen recherchiert wurden und die das Fan-Herz höher schlagen lassen.


Aber es ist noch nicht vorbei! Draußen und ohne Eintritt zu zahlen findet man noch am Originaldrehort das Fenster, durch das Aschenbrödel in den 1972 nicht vorhandenen Ballsaal schaute. Heutige Besucher können aber durch das Loch im "vereisten" Fenster die Miniaturen bestaunen, die sich im Modell des Ballsaals drehen. Und unter der Rampe, die die Doubles damals herunterritten wohnt der Kunsstoff-Nikolaus in seinem Stall.


Gelungen.

Öffnungzeiten und Preise

Findet man auf der Webseite des Schlosses.